Bühnencheck – Mailänder Scala

Obwohl Musicals meine absolute Passion sind, liebe ich es, Theater anzuschauen und auch alte Bühnenhäuser zu besuchen. Über Jahrhunderte hinweg waren Theater und Opernhäuser mehr als nur Entertainment. Sie entführten die Besucher in eine komplett andere Welt, zeigten Dramen und Komödien und bis heute ist ein Spielhaus ein eigener kleiner Mikrokosmos, in den man nicht so leicht hineinkommt.

Das lange 1. Mai-Wochenende habe ich dazu genutzt, die Mailänder Scala oder „Teatro alla Scala“, wie das Opernhaus mit vollen Namen heißt, zu besuchen. Zwar ist die Spielsaison erst am heutigen Sonntag, 4. Mai angelaufen, aber trotzdem können durchs ganze Jahr Besucher die Zuschauerräume und das dazugehörige „Museo  Teatrale alla Scala“, das Opernmuseum besuchen.

Geschichte:
Als 1776 das antike Teatro Regio Ducale abbrannte, gab Kaiserin Maria Theresia von Österreich den Bau einer neuen Oper in Auftrag. Mailand bzw. Milano, wie es im Italienischen heißt, gehörte damals dem Habsburger Reich an.
Als Ort für das neue Spielhaus wurde der Platz bei der Kirche „Santa Maria alla Scala“ ausgesucht, von der das Opernhaus auch seinen Namen erhielt. Der Architekt Giuseppe Piermarini entwarf ein Spielhaus im klassizistischen Stil, der sich besonders durch einfach gehaltene Strukturen vom damals ebenso modernen Barock und Rokokko unterschied. Deshalb ist die Fassade des Opernhauses eher unscheinbar.
Die breite  Colonade (überdachter, offener Bereich zwischend den Säulen) war ideal, um direkt mit den Kutschen an den Eingang zu fahren und auch bei Regen trockenen Fußes ins Gebäude zu gelangen.
Von außen bietet das Theater nicht viel Reizvolles. Einzig über den Hauptportal sieht man den Sonnenwagen Apolls, über die Wolken gezogen wird.

Am 3. August 1778 feierte das „Teatro alla Scala“ mit der Oper „Europa riconosciuta“ seine Eröffnung.
Das Spielhaus wird schnell zu einer DER Instanzen der Opernwelt. Zahlreiche Premieren und Uraufführungen fanden hier in Mailland statt. Besonders die italienischen Komponisten im 19. Jahrhundert schafften hier ihre größten Erfolge. Giuseppe Verdis „Nabucco“ begeisterte 1842 die Zuschauer, ebenso wie Giaccomo Pucchinis „Madama Butterfly“ etwa 40 Jahre später. Aber auch deutsche Komponisten feierten hier internationale Erfolge. Vorneweg Richard Wagner, dessen Werk „Lohengrin“ hier seine Uraufführung hatte, aber auch viele weitere Opern von ihm Premieren feierten.
Bis heute sind namhafte Dirigenten und Sänger und Sängerinnen an der Oper engagiert oder hatten hier ihren Durchbruch. Lucchiano Pavarotti wuchs geradezu in den Mauern der Scala auf und hatte hier seine ersten Erfolge.

Doch neben den Opern und Dramen fanden auch Ballettstücke eine Bühne. Tschaikowskis „Schwanensee“ wurde in der Mailänder Scala das erste Mal außerhalb Russlands aufgeführt. Bis heute unterhält das Opernhaus eine eigene Ballettschule, aus der viele international erfolgreiche Tänzer stammen.

Während der erste Weltkrieg noch mehr oder weniger spurlos an der Scala vorbeizog, traf es das Spielhaus im zweiten Weltkrieg umso stärker. Bei einem Bombenangriff 1943 wurde das historische Gebäude schwer beschädigt. Binnen drei Jahren wird das Theater im Eiltempo wieder aufgebaut und nach historischem Vorbild in Stand gesetzt.
Bald knüpfte das Opernhaus an seine Erfolge der Vorkriegszeiten wieder an und zahlreiche, einflussreiche SängerInnen und Dirigenten des 20. Jahrhunderts debütierten auf der Bühne.
Doch schon bald zeigten sich die Spuren, der schnellen Wiederinstandsetzung. Das Fundament begann sich zu senken und die eilig hochgezogenen Probenräume und Hinterbühne zeigten erste Bauschäden.
Zwar setzte sich die allgemeine Bevölkerung für eine behutsame Sanierung und Modernisierung ein, doch die Stadt Mailand, in dessen Besitz das Theater übergegangen war, setzte auf eine komplette Modernisierung.
1997 fiel der letzte Vorhang im 20. Jahrhundert. Der hintere Bühnenteil wurde komplett abgerissen und aufwändig neu gestaltet und erweitert. Die Produktionen der Scala gingen auf Tournee und erfreuten Opernfans weltweit.
Die Modernisierungsarbeiten dauerten bis ins Jahr 2004, wo am 7. Dezember, wieder mit Salieris „Europa Reconusciuta“ wie ganz zu Beginn das neue Haus eröffnet wurde.
Einzig erhalten geblieben sind der historische Zuschauerraum, der bis heute nichts an seiner Schönheit eingebüßt hat. Das Foyer und der barocke Zuschauerraum sind nach wie vor beeindruckend.
Ein riesige Kronleuchter erhellt den Saal, in dem 2500 Menschen Platz haben.

Das Theater verfügt nun über die modernste Bühnentechnik Europas und hat drei weitere Seitenbühnen, ebenfalls so groß wie die Hauptbühne.

Bis heute zählt die Mailänder Scala zu einer der größten und einflussreichsten Schauspielhäuser der Welt. Wer es hier schafft, eine Hauptrolle zu spielen, hat den internationalen Durchbruch geschafft. Aufführungen sind meist Monate im Voraus ausverkauft und die teuerste Kategorie hat an einem normalen Wochentag den stolzen Preis von 210 Euro pro Karte.

Museo Teatrale alla Scala

Wer sich ein bisschen für die Geschichte des Opernhauses und der Geschichte der Aufführungen interessiert, dem wird das Museum sicher ein Vergnügen bescheren. 1913 hat es sich ein Verein privater Gönner der Oper zur Aufgabe gemacht, allerlei Kuriositäten und Kunstwerke aus dem Opernleben zu sammeln und in den ehemaligen Librettoverlagsräumen der Oper zu präsentieren. Ursprünglich war es als Museum nur über die Scala gedacht, aber es entwickelte sich zu einer Art Illustrierung der Geschichte des Theaters aus der Antike bis heute.
Den Beginn machte der Ankauf der Sammlung des Antiquitätenhändlers Giulio Sambon, der aus einer eigenen Leidenschaft heraus zeitgenössische Porträts diverser Schauspieler, wie Utensilien aus der Welt der Bühne gesammelt hatte. Für einen stolzen Preis von 450.000 Lire verkaufte er schließlich die Sammlung an die Mailänder Scala, welche unter anderen von eurpäischen Adeligen, wie Staaten gleichermaßen gefördert wurde. Der Beginn des „Museo Teatrale“ war gemacht.

Auf insgesamt 10 Räumen kann man sich ganz der Welt der Bühne hingeben. An den Wänden der klassizistischen Räume hängen zahlreiche Portraits von Sängerinnen und Schauspielern der letzten Jahrhunderte, die auch ihren Erfolg in der Scala hatten. Bis in die heutige Zeit sind Gemälde gesammelt und ausgestellt worden, unter anderem etwa auch von Maria Callas.


Kostüm aus Nabucco 1986

Es handelt sich nahezu um eine „Hall of Fame“

Doch nicht nur Gemälde werden gezeigt, sondern auch allerlei Alltagsgegenstände und Kunstgegenstände der Scala. Etwa alte Spielkarten, die man bei Renovierungsarbeiten gefunden hatte und die auf das 19. Jahrhundert datiert werden.

Oder alte Kostüme und Bühnenrequisiten, wie Kronen, Umhänge oder Fächer aus Aufführungen von Verdis. Doch es wurde auch Schmuck ausgestellt, den die Operndiven im 19. Jahrhundert trugen.

Ein besonderes Stück ist garantiert ein Zierschwert der Sängerin Giuditta Pasta, das einst Napoleon gehörte und von ihm persönlich an die Opernsängerin in Anerkennung ihrer Künste überreicht wurde.

Doch auch andere Kuriositäten warten im Museum auf die
Besucher. Etwa eine Haarlocke von Verdis Totenbett, ein Original-Libretto von Pucchinis „Turandot“ oder ein Miniaturnachbau der Mailänder Scala aus Legosteinen. Auch der Flügel von Franz Liszt zog in das Museum ein und wird bis heute bei ausgewählten Anlässen bespielt.
Andere Instrumente verschiedener Epochen lassen sich bewundern, darunter ein kunstvolles Spinnett oder alte Geigen, Harfen, etc.

Ein besonderes Schmankerl ist das obere Stockwerk, mit der Opernbibliothek, in der viele Werke und Dramen namhafter Schriftsteller (auch Goethe und Heine) aufbewahrt werden. Hier sind auch originale Kostüme aus der „Nabucco“- Produktion der Spielzeit 1986/87 ausgestellt und zeigen die Detailverliebtheit
der Kostüme.

Fazit:
Die Mailänder Scala  ist von außen vielleicht eher unscheinbar, aber innen drin verschlägt es einem spätestens nach einem Blick in den Zuschauerraum die Sprache. Bei meiner Besichtigung konnte ich sogar zuschauen, wie gerade ein neues Bühnenbild aufgebaut wurde, was sehr interessant war, zu beobachten.

Das Opernmuseum war wirklich schön gestaltet und zeigte allerhand interessante und wissenswerte Exponate. Leider die Art der Präsentation war manchmal etwas mühselig. Viele Stücke sind nummeriert und werden dann auf einem Schild nur sehr kurz in Italienisch und Englisch erläutert. Die vielen Gesichter der Sänger und Komponisten auf den Gemälden erschlägt manchmal fast einen Besucher.
Ich muss leider sagen, dass es manchmal ein bisschen zu viel auf einmal in einem Raum war. Allerdings tut das der Besonderheit keinen Abbruch, da es ein Museum dieser Art sicherlich nicht so oft der Welt gibt, wenn sie nicht sogar einzigartig ist. Man bekommt ein Gefühl für die Leidenschaft Oper und ihre ganzen kleinen großen magischen Momente.

Der Eintrittspreis in das Haus beträgt 6 Euro für Erwachsene, 4,50 Euro für ermäßigte Personen (Studenten, Schüler, etc)

Es werden auch Führungen angeboten, die man vorab buchen kann und einem noch mehr Informationen geben. Auch Kombi-Tickets, mit denen man auch den Dom besichtigen kann und durchgeführt wird, gibt es im Angebot. Auf Anfrage, gibt es auch eine Führung hinter die Kulissen, deren Preis ich aber nicht wissen möchte.

Für jeden Bühnenfan, der sich ein bisschen für Oper interessiert, ist die Mailänder Scala absolut sehenswert und auch Musicalfans dürften nicht enttäuscht sein, denn so ein Theater in historischem Gewand bekommt man nur selten zu Gesicht. Ein absolutes MUSS!!

Ich hoffe, euch hat mein erster Bühnencheck soweit gefallen. Gibt es ein Theater, das ihr mir empfehlt? Ich freue mich auf Kommentare und Feedback!

Alles Liebe
Eure Kiwi!

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