Wie man zum Musical-Fan wird

Zugegeben, Schauspiel und Oper finde ich schon großartig! Aber meine wahre Leidenschaft gilt seit meiner Kindheit den Musicals! Wie es übrigens dazu kam, das erkläre ich gerne mal in einem extra Post. Aber heute will ich all jenen Leserinnen und Lesern, die sich selbst noch nicht als Musical-Fans outen können/wollen etwas Einblick in unsere wunderschöne Welt geben.

PdO, KdL, TdV, IwnninY, DD, SE, – WTF?

Wer bei dieser Zwischenüberschrift nur Bahnhof oder Buchstabensuppe versteht, ist wirklich noch absolut KEIN Fan. Und nein, das sind keine ominösen Fußballvereine. Denn in Zeiten von Whatsapp, Twitter, und diversen Internetforen ist es für Musicalfans ein Leichtes, sich endlich zu finden und stundenlang  über ihr Lieblingsthema zu reden. Und da das ganze schriftlich abläuft werden dann bestimmte Sachen eben abgekürzt. In 90% der Fälle sind das die Musicaltitel:

Phantom der Oper – PdO
KdL-König der Löwen
TdV- Tanz der Vampire
usw.

Das Ganze kann man dann noch auf Fachbegriffe überleiten:
SD – Stage Door
SE- Stage Entertainment (nicht zu verwechseln mit StEx – Starlight Express)

Und so ist es nicht ungewöhnlich, wenn man dann in den Foren und Gruppen die seltsamsten Schriftverkehre mitlesen kann.
„Oooh ich weiß nicht – KdL oder PdO von SE?“
„Hey könnt ihr mir sagen, wo die SD von IwniNY ist?“
Achso, berühmte Darsteller können natürlich auch noch abgekürzt werden. Das habe ich aber bisher nur in Privat-Talks gehabt 😀
UK-Uwe Kröger
PD- Pia Douwes
MH- Maya Hakvoort usw.

„Also, als ich letztens an der SD war, um UK zu sehen nach PdO ist der einfach nicht rausgekommen. Dabei waren noch 3 Leute vom IUKC da…“
Und wer meint, dass wir Musicalfans da einen Hau haben – der hat vollkommen Recht!

Die Stage Door

Während der normale Musicalbesucher sich nach dem Schlussapplaus mit der Vorstellung zufrieden gibt und nach Hause fährt, fängt für wahre Musicalfans die Show erst an. Und die Stage Door gilt dabei als Pforte in die Welt, in die wir Normalos nicht rein dürfen, aber die Helden der Bühne irgendwann mal rauskommen müssen. Hier kommen wir übrigens zu einem eindeutigen Vorteil, wenn man anstatt One Direction und den Back Street Boys (kennt die noch wer?) einen Musicaldarsteller anhimmelt: Man kann sie an der Stage Door kennenleren! Das ist auch der Grund, weshalb Fans regelmäßig nach der Show hinters Theater pilgern, um dort ihrem Idol aufzulauern.

Da ja Musical – so amerikanisch- fancy sein muss,  heißt das auch nicht unromantisch „Bühneneingang“ sondern Stage Door.  Ist euch aufgefallen, dass eigentlich alles gleich viel bunter, glitzriger und aufregender klingt, wenn man ein „Stage“ davorsetzt? Und es eben Englisch lässt?
Stage Entertainment – Bühnenunterhaltung
Stage School –  Bühnenschule
Stage Toilet – Bühnentoilette
Stage Cleaning Hygienic Manager – Bühnen-Putzfrau

Ok, genug Exkurs.

Waren noch in den Anfangsjahren und früher die SDs ein echter Geheimtipp so ist, dank Social Media und guten Tipps, heute der Hinterausgang vom Theater fast mit dem roten Teppich von Hollywood zu verwechseln. Natürlich hängt das auch von der Cast ab. Hier zum Beispiel mal ein kleines Video von der Stage Door des Theater des Westens im Jahre 2008. Elisabeth wurde damals gespielt, mit Uwe Kröger als Tod in der Hauptrolle. Viel Spaß beim Autogramme jagen 😉

Es gibt nur EINE richtige Cast!!!!!!!111!!!elfeins!!!

Den Anglistikern unter uns dürfte aufgefallen sein, dass „Cast“ nichts anderes als die Besetzung ist. Nun möchte ich ein für alle Mal das Gerücht aus der Welt schaffen, dass aufgrund der politischen Situation im Nahen Osten und Deutschland der dritte Weltkrieg ausbricht. DESWEGEN bestimmt nicht.
Wer einmal etwas länger in einem Musicalforum unterwegs war, weiß bereits, dass die wahre Schlacht bereits virtuell geschlagen wird. Und zwar um DIE Besetzung. Es kann nur EINEN geben, der GENAU EXAKT PERFEKT auf diese Rolle passt. Alles andere sind nur nette Versuche,  dem Charakter eines Stücks mühevoll etwas Leben einzuhauchen. Denn an DEN Darsteller wird NIE ABER AUCH NIE WIEDER irgendjemand rankommen. Punkt!! Fertig!!! ENDE DER DISKUSSION!!!!!

Das Problem dabei ist, dass der Darsteller eben je nach User und Geschmack variiert. Deswegen sind so einige Grundsatzdiskussionen entstanden, die selbst noch Jahre nach der Uraufführung immer wieder ein tolles Thema abspielen.
Beispiel: „Der Tod“ aus Elisabeth
Geprägt wurde die Rolle von Uwe Krüger (damals noch mit vollem Haar, dass selbst Claudia Schiffer mit ihrem 3-Wetter-Taft einpacken kann)
Und der gilt auch in breiten Schichten als DER Tod schlechthin. Aber auch weitere Lager haben sich mit dem Darstellerwechsel aufgemacht. Beliebt sind nach wie vor:
Maté Kamaras, Olegg Vynnyk und Mark Seibert. Anfang der 2000er war besonders das Battle Vynnyk vs. Kamaras beliebt, da beide mehr oder weniger zeitgleich in Stuttgart und Wien auf der Bühne standen (*hust* Vynnyk *hust*)
Faszinierend ist, dass Uwe Kröger oftmals gar nicht mal in Frage gestellt wird. Er gehört zu diesen „Aber“-Kandidaten. „Der Kröger ist schon der beste, ABER“.
Merke: Sag NIEMALS ABER in einer Darsteller-Diskussion. Du kannst nur verlieren. Und Zweitbesetzung… geht mal gar nicht!

Wo sich die Fronten derzeit schnell verhärten, ist beim Musical Tanz der Vampire.
Diesmal die Rolle des „Graf von Krolock“. Der Vampirgraf, der nicht nur Sarah, sondern auch reihenweise Frauen mit nach Transylvanien lockt. Da die Fans seit Monaten auf die Verkündung der neuen Cast warten, hat die Stage beschlossen, das Spielchen mal mitzuspielen. Und tatsächlich springen die Vampirsüchtigen darauf an. Wer bisschen was zum lesen will, sollte mal auf die Facebookseite von Tanz der Vampire schauen 😉
Die Gerüchteküche brodelt, wer es wird, alle Anzeichen stehen derzeit für Mark Seibert, der auch auf seiner Facebook-Seite verschwörerisch mitrührt.
Und da ist schon die neue Diskussion
Seibert??? Als Vampiiiiiiier? Als Tod, ja, sofort, aber als Vampiiiiiier? Dann noch in der Maske? Nein das, geht gar nicht! Ich will Jan Amann!
Schreibt das mal auf eine Musicalseite 😉 Ihr habt Lektüre übers ganze Wochenende.
Beliebte Darsteller hier:
Steve Barton (Urvampir – RIP 🙁 )
Felix Martin
Jan Amann
Kevin Tarte
Thomas Borchert

Ich hatte übrigens vor 10 Jahren mal Veit Schäfermeier als 2. Besetzung als Vampir. Gigantisch! Den hätte ich gerne!

Natürlich lassen sich diese Diskussionen über alle möglichen Musicals fortsetzen:
Phantom der Oper (Hofmann, Bourg, Borchert, Kröger, Edenborn, Arnsperger usw)
Les Miserables – Valjean (Murray, Vynnyk usw)

Ist euch eigentlich aufgefallen, dass diese Straßenschlachten hauptsächlich bei männlichen Rollen stattfinden? Elisabeth ist da noch gerne angeführt, aber dann hört die Liste bald mal auf. Über Christine (PdO), Sarah (TdV) oder Eponine (Les Mis) gibt es bei weitem weniger Diskussionsbedarf. Komischerweise schmeißen auch fast nur Frauen die Molotow-Cocktails ins feindliche Lager…

Dabei sein ist alles

Wer würde nicht gerne mit dem Grafen am Mitternachtsball tanzen? Oder mit dem Phantom mal eine Runde auf dem unterirdischen See rumtuckern? Oder mit Frank n Furter den Time Warp tanzen?
Nur weil man nicht Teil der Handlung ist, lassen sich wahre Musicalfans nicht davon abhalten wenigstens als solcher zu wirken. Dadurch entstanden ja erst die so genannten „Kultmusicals“. Musicals – die fast jedermann liebt und die erst durch ordentliches Zutun der Zuschauer wirklich lebendig wirken.

Bei Tanz der Vampire gehört es fast schon zum guten Ton, gerne auch mal als Vampirausgabe im Zuschauerraum zu sitzen. Deswegen nicht erschrecken, wenn neben euch mal eine Dame oder Herr in interessanter Gothic/Barock-Kluft platz nimmt und sich die Beisser poliert. Denn selbst als Vampir verkleidet dem Grafen zu lauschen ist halt viel schöner als nur so im Saal zu sitzen.

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Kleiner Vampir mit Alexander Klaws 2007 in Berlin am Tag der offenen Tür. Bild: Stage Entertainmant

Das Musical „Rocky Horror Show“ ist gar auf die Aktivität seiner Zuschauer angewiesen. Nachdem sich das Stück in den 70ern als Flop eingestellt werden sollte, verdankte es seinen Unsterblichkeitsstatus einer kleinen aber durchaus zähen Fangemeinde, die regelmäßig ins Theater und Kino gingen, um das durchaus groteske Stück zu retten.
Und das Publikum begann einfach selbst in der Handlung mitzumischen, ohne die zu beeinflussen. Beim Time Warp darf mit getanzt werden. Wird auf der Bühne geheiratet, wird Reis geworfen, wenn es regnet, spritzen alle mit Wasserspritzpistolen um sich und bedecken sich ihre Köpfe mit Zeitungen, ganz wie Brad und Janet.

Mittlerweile weiß die Unterhaltungsindustrie, dass sowas auf jeden Fall gut ankommt. Und versucht auch selbst, krampfhaft irgendwas zu kreieren, bei dem dann alles mitsingt und schunkelt. So wurden Mamma Mia!, We will rock you! oder „Ich will Spaß“ geboren.

So ihr lieben Anfänger. Ihr habt nun einen kleinen Einblick erhalten, wie wir wahren Fans so ticken. Ein bisschen skuril, aber mit Herzblut und Seele dabei! Jetzt ist es Zeit, dass ihr euch outet!

Alles Liebe
Eure Kiwi

Titelbild: Tanz der Vampire 2007 Bild: Stage Entertainment

 

 

 

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