Der ultimative Theater-Knigge

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„Für gutes Benehmen muss man sich nicht schämen“ weiß schon der Knecht in „Der Watzmann ruft.“ Und das hat natürlich auch im Theater seine Richtigkeit. Im Folgenden möchte ich euch nun deshalb einen kleinen virtuellen Benimmkursus in Sachen Theater-Manieren näher bringen.
Viel Spaß beim Lesen!

Nicht nur die Darsteller auf der Bühne, auch für die Zuschauer ist das Theater ein großartiger Ort zum sehen und gesehen werden. Kein Wunder, dass Premieren immer wieder von Promis, Politikern und Jedermann dazu genutzt werden, um sich herzuzeigen. Immerhein zeigt Theater ja nicht nur, dass man gerne im Rampenlicht steht, sondern dass man sich das Prädikat „Kulturkenner“ angeeignet hat. Wer ins Theater geht, hat kulturelles Interesse und möchte als kultiviert und vielleicht auch gebildet gelten. Wenn man dann allerdings mal selbst die Augen durch die Foyers und Pausenräume dieser Welt streifen lässt, ist es doch dann ganz „interessant“, was jeder Gast als „kulturell“ versteht. Ich finde, zum klassischen Theater gehört auch ein bisschen Knigge. Und das fängt schon lange vor der Show an.

Pünktlichkeit

Eigentlich sollte auf jedem Ticket auch drauf stehen, wann die Vorstellung beginnt. Beginn heißt, der Vorhang hebt sich und die Geschichte kann anfangen…eigentlich. Leider verwechseln das immer wieder Zuschauer mit der Uhrzeit, wann man sich mal auf seine Plätze setzen könnte. Wer ins Theater geht, sollte sich also genügend Zeit einräumen. Ideal sind ca 45-30 min. vor der Vorstellung. Dann hat man noch Zeit, um die Garderobe abzugeben, evtl ein Programm zu kaufen und auch durchzublättern, nochmal das WC aufzusuchen (liebe Frauen nutzt die Chance!!) oder sich auch mit den Sitzplätzen und Gängen vertraut zu machen.
Die meisten Theater haben ohnehin einen Gong, der ab ca 15 min. vor der Vorstellung die Zuschauer darauf hinweist, sich zu den Plätzen zu begeben. Im übrigen kann man auch im Zuschauerraum ein bisschen Mäuschen spielen. Vielleicht mal einen Blick in den Orchestergraben werfen? Oder nach Bühnenarbeitern Ausschau halten, die vielleicht die letzten Lampen richten? Langweilig wird es vor der Show sicher nicht! Ab 5 min vor Beginn heißt es aber dann endgültig: Platz nehmen.

Reservierungsfristen

Gerade Stadttheater ermöglichen Zuschauern oftmals, Karten erst mal „nur“ zu reservieren, ehe sie endgültig gekauft werden. Diese Reservierungsfristen sind meistens super großzügig und erlauben einen top Komfort. Trotzdem empfiehlt sich, hier nicht bis zum letzten Tag zu warten, um die Karten abzuholen, bzw. zu bezahlen. Erstens vergisst man leicht mal, dass man was reserviert hat und guckt dann dumm aus der Wäsche, wenn plötzlich die Plätze weg sind. Zweitens freut sich das Personal, wenn die Karten sicher verkauft sind und damit auch der Abend stressfrei beginnen kann.
Es gibt auch oft eine Abendkasse, an der Karten für die Vorstellung abgeholt oder auch gekauft werden können. Diese Abendkasse ist dann meist auch nur zuständig für das Stück, das am Abend spielt. Alle weiteren Geschäftsfälle wie neuer Kartenkauf für andere Vorstellungen oder neue Reservierungen werden da nicht durchgeführt, bzw. nur sehr ungern gemacht. Ihr seid die nettesten Kunden, wenn ihr dann lieber etwas früher zum Theater kommt, um dann alles zu erledigen. 🙂

Verspätungen

Ja, irgendwie dreht sich alles um die Zeit 🙂 Wenn aus irgendwelchen Gründen der Zuschauer doch einmal zu spät oder sehr knapp kommt, heißt es trotzdem: Ruhe bewahren und höflich bleiben. Manche Theater sind sehr streng und lassen zu spät Kommer erst zur Pause ein. Das hängt auch ein bisschen davon ab, wo man sitzt. Jemand, der eine Loge im oberen Rang hat, kann unbemerkt noch rein huschen, während der Zuschauer, der Reihe 1 Mitte hockt, eher auffällt, wenn er in den dunklen Saal platzt.

Solltet ihr einfach knapp dran sein und die anderen Zuschauer in eurer Reihe sitzen bereits auf ihren Plätzen heißt es: Freundlich fragen und sich dann durchschieben. Dabei ist es vor allem wichtig, dass ihr mit dem Gesicht zu den Zuschauern euch auf eure Plätze begebt. Es ist einfach kein schöner Anblick und keine schicke Geste, wenn den anderen Gästen der Hintern buchstäblich ins Gesicht gestreckt wird.

Handys

Ein rotes Tuch für jeden Darsteller, leidenschaftlichen Theaterbesucher und Mitarbeiter des Hauses sind Handys. Es gibt ja so einige unbelehrbare Geister, die meinen, dass die Welt einstürzt, wenn sie einmal für 3 Stunden nicht erreichbar sind.
SCHALTET EURE HANDYS, SMARTPHONES, TOUCHPADS EINFACH AB!
Es ist glaube ich, nicht einfacher, sich Todfeinde zu verschaffen, als dass der Display des Handys aufblinkt.  Und auch wenn ihr meint, man sieht euch in der hinteren Loge seitlich links nicht…. DOCH! Sieht man!! Ich spreche aus Erfahrung. Man sieht es. Davon abgesehen ist es einfach respektlos, den anderen Gästen und den Darstellern gegenüber, wenn ihr mitten im Stück auf eurem Display rumwischt. Es ist zwar sehr traurig aber:
Ihr seid nicht so wichtig, als dass mal 3h nix ohne euch geht… ausser eure Frau liegt in den Wehen… dann seid ihr aber definitiv am falschen Ort zu dem Zeitpunkt..

In der Pause könnt ihr ja dann abchecken, ob sich die Welt noch dreht. Kleiner Tipp: Tut sie, weil sonst würde das Stück ja nicht weitergehen 😉

Kleiderordnung

Mittlerweile ist es ja nicht mehr so streng mit der Kleiderwahl. Viele Theater lassen bereitwillig zu, was die Zuschauer tragen. Es soll sich ja jeder wohl fühlen. Wobei ich das Gefühl habe, dass hier in Österreich, wo ich lebe, doch noch etwas mehr Wert auf Kleiderordnung gelegt wird. Natürlich muss heutzutage nicht jedes Stück in einem Galakleid àla Wiener Opernball besucht werden. Aber das Theater bietet natürlich auch eine tolle Gelegenheit, all die hübschen Sachen mal auszuführen und zu präsentieren, die für den Alltag einfach zu overdressed werden.
Im Übrigen können Strassenschuhe an der Garderobe gegen hübsches Schuhwerk eingetauscht werden.
Mäntel und Jacken werden im Zuschauerraum gar nicht gerne gesehen. Gebt bitte alles an der Garderobe ab. Wer Angst hat, dass es ihm vielleicht etwas kalt werden könnte, kann natürlich einen Schal oder eine leichte Strickjacke mit in den Zuschauerraum nehmen.

 

Applaus und Jubel

Ja, auch für diesen Bereich gibt es eine gewisse Etikette. Natürlich ist Applaus immer eine Anerkennung an die Darsteller und Mitwirkenden der Vorstellung. Trotzdem gibt es manchmal Situationen, in denen NICHT applaudiert wird.
So wird bei Symphoniekonzerten zwischen den Sätzen etwa nicht applaudiert, um die Atmosphäre nicht zu trüben. Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob man jetzt applaudieren darf oder nicht, orientiert euch am Orchester und Dirigenten. Legt er den Taktstock ab, oder fordert das Orchester auf, aufzustehen, dürft ihr auch gerne klatschen.
Auch in den Stücken selbst ist etwas „Taktgefühl“ angebracht. So habe ich z.B. beim Musical Elisabeht noch nie erlebt, dass bei der Szene „Hass“ so beeindruckend sie auch ist, jemals applaudiert wurde. Irgendwie schickt sich das auch nicht.
Wenn ihr applaudiert, düft ihr natürlich gerne zeigen, was euch am Darsteller liegt. Er freut sich. Dennoch achtet auf eure Mitmenschen. Gerade wenn vielleicht Kinder oder ältere Menschen in der Nähe sitzen, muss man sich nicht die Seele aus dem Leib schreien wie bei einem Justin-Bieber-Konzert.

Am Ende ist der Applaus ja meist etwas länger. Da sollte man wenigstens der Höflichkeit wegen so lange mit applaudieren, bis alle Darsteller einmal auf der Bühne waren. Ich persönlich krieg immer die Krise wenn Leute kurz nach Vorhang sofort zur Garderobe stürmen. Klar manchmal lässt sich das wegen Zug oder Bahn nicht vermeiden. Aber falls ihr Zeit habt: Bitte wartet bis zum Ende. Die Darsteller freuts und es sieht nicht so nach Fucht aus 😉

Essen

Wer unter Suizidgedanken leidet, kann ja mal erst sein Handy checken und danach anfangen sein mitgebrachtes Butterbrot auszupacken… ich geb dem Gast 5 Sekunden 😉
Anders als im Kino hat Essen in den meisten Theatersälen nichts zu suchen. Zwar hat sich ja am West End schon dieses Unding eingeschlichen, dass man sehr wohl Knabberzeug konsumieren darf, aber ich finde das furchtbar.
Wer einen trockenen Hals hat oder uuunbedingt ein Bonbon essen muss, der möge doch BITTE das Papier schnell auspacken. Das Geraschel wird nicht leiser, nur weil man ewig lang an den zwei Enden rumfummelt. Noch besser sind diese kleinen Blechdosen für Lutschpastillen. Diese gehen fast geräuschlos auf und man hat schnell das Bonbon zur Hand. Trotzdem sei noch gesagt: Zum Essen ist die Pause da.

Krankheit
Da freut man sich monatelang auf das Musical und dann… hat man Erkältung! Klar, sowas muss noch nicht vom Theaterbesuch abhalten. Aber denkt bitte im Voraus drüber nach, was ihr euch und auch euren Sitznachbarn zumutet. Jemand der leicht erkältet ist, kann sich mit Medikamenten und vielleicht Nasenspray 3 Stunden über Wasser halten. Aber ein andauerndes Husten, Nase schnäuzen und Röcheln ist einfach nur störend und eine Belästigung. Hinzu kommt, dass Ansteckungsgefahr für die anderen Zuschauer herrscht. So traurig das ist, aber dann sollte man doch vielleicht vom Abend zurücktreten und versuchen, die Karten zu tauschen, bzw. an gesunde Freunde weiterzugeben. Gute Besserung!

Kinder

Natürlich habt ihr die besten Kinder der Welt! Aber es sind Kinder und sollten es auch bleiben. Ich bin früher als Kind wahnsinnig gerne ins Theater gegangen. Allerdings auch in altersgerechte Stücke. Gut, ihr müsst entscheiden, ob eine 8-Jährige nun Turandot versteht oder ob ein 11 jähriger Junge sich gerne Wagner anschaut oder Romeo und Julia sehen möchte. Kinder sind neugierig, aufgeweckt und lebhaft und das ist gut so. Trotzdem sollte dem Nachwuchs klar gemacht werden, dass im Theater eben andere Regeln herrschen wie zu Hause vor dem Fernseher. Das heißt, aufrecht sitzen bleiben, ruhig bleiben und nicht ständig rein reden und es ist auch nicht möglich alle 20 min aufs Klo zu gehen. Da ist es besser auch ehrlich zu sich und den Kindern zu sein. Es gibt Kinder, die können sehr wohl still sitzen… und manche eben nicht. Die interessiert auch nicht wirklich was vorne auf der Bühne passiert. Dann sollte man aber, im Namen des Friedens und um der Zuschauer willen fair sein und vielleicht zur Pause dann doch das Stück sein lassen. Wer sich selbst schon unheimlich auf das Musical gefreut hat, sollte dann doch überlegen, ob es nicht ratsamer wäre, wenn die Kids den Abend dann nicht doch besser bei Oma und Opa oder mit dem Babysitter verbringen.

 

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