Rezension: „Ziemlich beste Freunde“ im Kellertheater Innsbruck (28.04.2015)

Heute gibt es nach einer kleinen Ewigkeit endlich wieder eine Rezension. Diesmal zur Komödie „Ziemlich beste Freunde“ basierend auf dem gleichnamigen Kinofilm. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

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Foto: Kellertheater Innsbruck

Um das Innsbrucker Kellertheater zu finden, muss man erst mal ein bisschen suchen. Denn er Eingang liegt gut versteckt in einem Hinterhof in der Innsbrucker Innenstadt, eine kleine unauffällige Treppe führt in diese besondere Spielstätte hinein. Denn tatsächlich sind Zuschauerraum und die kleine Bühne in einem alten Kellergewölbe untergebracht. Kein Platz ist verschenkt, die Sitzplätze sind eng zusammengerückt, ein paar Klappstühle sorgen noch für zusätzliche Zuschauermöglichkeiten. Die Karten kann  man vorab nur reservieren und muss sie dann an der Abendkassa abholen. Die Plätze muss der Zuschauer sich dann selbst ergattern, indem er ganz simpel mit Post-It-Zettelchen seine Stühle markiert. Das alles hat bisher auch immer super geklappt, denn aufgrund des kleinen Raumes gibt es per se keine schlechten Plätze.

Die Bühne ist gefühlt vielleicht 15m2 groß. Nicht viel Platz, um eine Geschichte zu erzählen, die eigentlich auf Paris Straßen und einer riesengroßen Villa ihre Handlung hat.

Unter der Regie von Thomas Gassner ist es dem Team vom Kellertheater Innsbruck gelungen, den Filmklassiker „Ziemlich beste Freunde“ von der Leinwand auf die Bühne zu holen. Nun ist es immer so eine Sache, wenn ein Stück vom Kino auf die Bühne oder vice versa springt. Und gerade bei diesem Filmerfolg mit 9 Millionen Zuschauern allein in Deutschland, sind die Erwartungen natürlich hoch gesteckt.

Zur Handlung:
Der reiche Franzose Philippe (Nik Neureiter)  überlebt einen tragischen Paragleit-Unfall, ist aber von nun an ab dem 4. Halswirbel gelähmt und bedarf der Hilfe eines Pflegers, um noch halbwegs am Alltag Teil haben zu können. Zusammen mit seiner treuen Assistentin Magalie (Nevena Lukic)  sucht er deswegen nach einer neuen Pflegekraft, denn Philippe gilt als schwierig, mürrisch und launisch.
Beim Bewerbungsgespräch taucht auf einmal der Arbeitslose Driss (Markus Oberrauch) auf, der frisch aus dem Gefängnis entlassen. Arm, aus den Vororten von Paris und perspektivenlos hat er nicht wirklich Lust auf den Job, braucht aber drei Unterschriften, die ihm bestätigen, dass er bei der Jobsuche erfolglos war. Nur so kommt er an das angestrebte Arbeitslosengelt vom Amt. Magalie und Philippe nimmt er nicht für voll und dass Philippe schwerst behindert ist, interessiert ihn nicht im Geringsten. Und genau das imponiert dem Reichen, denn Driss ist der erste Mensch, der ihm kein Mitleid entgegen bringt.
Zur Überraschung aller engagiert er ausgerechnet Driss als Pfleger. Weder Driss noch Magalie können die Entscheidung verstehen. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten lernt Driss allerdings zum ersten Mal, was es heißt, Verantwortung für einen Menschen zu übernehmen. Auch Philippe lernt, dass man trotz Krankheit durchaus noch Spaß am Leben haben kann. Und obwohl Driss mehr als einmal mit seiner rohen, direkten Art bei der feinen französischen Gesellschaft aneckt, entsteht langsam aber sicher eine Freundschaft.

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Edwin Hochmuth, Markus Oberrauch, Therese Hofmann, Nevena Lukic, Nik Neureiter (v.l) Foto: Kellertheater Innsbruck

Französischer Humor auf kleinem Raum

Wer den Film von 2011 gesehen hat, weiß, dass mit einer Verfolgungsjagd im Maserati, einer Festgesellschaft und viel schwarzen Humor ein durchaus gelungenes Meisterwerk entstanden sit. Regisseur Thomas Gassner hatte natürlich nicht den Fuhrpark des Unternehmers. Trotzdem schafft er es mit 5 Darstellern das Stück eingehend auf die Bühne zu bringen. Anstatt eines durchgehendes Handlungsstranges werden hier episodenhaft die Beziehungen zwischen den Charakteren erzählt. Zwischen den Szenen wird im halbdunklen die nächste Situation aufgebaut, in denen die drei Hauptcharaktere auf neue Schwierigkeiten stoßen. Trotzdem entsteht ein roter Faden, der die Zuschauer durch die Geschichte leitet. Mit einfachen Mitteln, wie dem Verschieben eines Vorhanges, Licht- und Musikeffekten wird so der Kern der Geschichte solide erzählt. Andere Elemente des Films, wie etwa Driss Privatleben in den Vororten Paris werden nur kurz angeschnitten oder völlig ausgelassen. Dies trägt auch nicht großartig zur Handlung bei. Nur Driss kleiner Bruder (hervorragend gespielt von Edwin Hochmuth, der gleich mehrere Rollen verkörperte) zeigt die Diskrepanz zwischen der Welt in der sich der Ex-Häftling bewegt und aus der er stammt.

Nik Neureiter als pflegebedürftiger Philippe gibt der Rolle einen eigenen Charme. Er wirkt verbittert,depressiv und hart, zeigt aber in der Entwicklung seinen weichen Kern mit Sinn für Humor. Trotz des Schicksalschlages hat man auch als Zuschauer nicht einen Moment dieses Mitleitdsgefühl, welches Philippe gerade so verabscheut. Man sieht einen Menschen mit Einschränkungen, der trotz allem eine großartige Persönlichkeit ist. Beeindruckend fand ich, dass Neureiter als Gelähmter wirklich KOMPLETT bewegungsunfähig auf der Bühne gespielt hat. Auch in den Szenenwechseln wurde er raus geschoben, getragen oder weggebracht. Dadurch wurde das Bild nicht gestört.

Markus Oberrauch steht dem Driss aus dem Film um nichts nach. Auch wenn man aufgrund der Optik etwas Fantasie braucht, dass er aus Algerien stammt, so gibt er einen erfrischenden, frechen Mann, der sich um die Belange seines Herrn zwar kümmert, aber buchstäblich „einen Scheiß“ drauf gibt, dass dieser eine Behinderung hat. Driss nimmt das lediglich als Umstand wahr, das hält ihn aber nicht davon ab Späße aller Art zu reißen und mehr als einmal auch einen Witz zu machen, der auf Kosten von Behinderten oder besonders auf Philippe geht. Oberrauch hatte mehr als einen Lacher auf seiner Seite und es macht Spaß zu sehen, wie er sich wirklich in die Rolle reinkniet.

Nevena Lukic als Assistentin Magalie ist für Driss mehr als einmal das Ziel von plumpen Anmachen und Flirtaktionen. Hatte Lukic am Anfang noch etwas steif gewirkt, so zeigte sie im Laufe des Abends auch ihre koketten und gewitzten Seiten, mit denen Magalie Driss immer wieder eins auswischt. Mehr als einmal gerät sie zwischen die Fronten von Driss und Philippe und schafft doch mit ihrem Charme die Wogen wieder zu glätten.

Neben den drei Hauptcharakteren gab es auch zwei Darsteller, die gleich mehrere Rollen besetzten. Etwas mehr Rolle hatte dabei Edwin Hochmuth, erst als angehender vorlauter Pfleger und Polizist oder als schnöseliger Antoine,  er zeigte in seinen Rollen vollen Körpereinsatz. Besonders die Mimik und Gestik sorgte für mehr als einen Lacher im Publikum. Therese Hoffmann als Galeristin und später als das Date Eleonore hatte leider nicht so viel Möglichkeiten die Rollen voll auszubauen, zeigte aber Präsenz. Und spätestens wenn in der Schlussszene Eleonore die Bühne betritt, um Philippe endlich kennenzulernen muss bei dem warmen Lächeln auch der Zuschauer dahinschmelzen.

Fazit:

Die Umsetzung des Filmes ist gänzlich gelungen! Gerade auch die Schlüsselszenen wie etwa die rasante Autofahrt durch Paris sind sehr kreativ auf der Bühne gestaltet worden. Gerade durch den beschränkten Raum fällt auch der Fokus viel mehr auf den Menschen und die Emotion, als auf das Drum-Herum. Das macht auch diese erfolgreiche Inszenierung aus. Das Publikum war sehr begeistert.

Schade fand ich nur, dass es einige Zuschauer nicht nötig fanden, ihr Handy auszuschalten bzw. wenigstens lautlos zu machen und dann im Szenenwechsel im Halbdunkel aufs Display zu starrten. Liebe Leute: Man sieht euch trotzdem! Und das blaue Display-Licht schmeichelt euch nicht…

Zurück zum wesentlichen: „Ziemlich beste Freunde“ ist eine tolle Komödie mit viel Humor und Witz. Der Grat zwischen Albernheit und Spaß ist hervorragende gelungen und auch tiefgehendere Dialoge zeigen, dass trotz aller Tragik und Späße sich zwei Menschen annähern, die schon einmal sehr verletzt wurden und nun, jeder auf seine Art und Weise, ins Leben zurück finden. Ich kann das Stück nur herzlichst empfehlen.

Weitere Informationen, Termine  und Ticketreservierung zum Stück: www.kellertheater.at

Preise: Erwachsene 18 €
Ermäßigt 14 €

Wertung: 5/5 Punkten- ziemlich bestes Theatervergnügen!

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