Rezension: Heisse Zeiten -Die Wechseljahrerevue

Und kaum hat die Saison am Tiroler Landestheater begonnen, habe ich auch schon die erste Produktion in den Kammerspielen angeschaut. In Heisse Zeiten- Die Wechseljahrerevue komme ich den mysteriösen Jahren zwischen 40 und 50 ein wenig näher…

Ich gebe es zu, für mich sieht das Leben noch aus wie ein bunter Blumenstrauß voller Möglichkeiten. Bis ich meine Bahn gefunden und meinen Weg gehe, werde ich wahrscheinlich noch die ein oder andere Abzweigung angucken. Dennoch habe ich, wie jede Frau einen Weg, werde kämpfen, eventuell Kinder kriegen. Bis man eben nicht mehr jung ist. Aber auch noch nicht alt.
Und dazwischen liegt eine Zeit, die eine Mischung aus Mysterium und Umbruch ist: Die Wechseljahre.

In Tilman von Blombergs „Heisse Zeiten – die Wechseljahrerevue“ wird sich aus unterschiedlichen Perspektiven an diese Zeit herangewagt. Mit witzigen Dialogen aber auch nachdenklichen Liedern kommen damit so allerlei Themen zur Sprache, über die MANN nicht mal nachdenkt.

Treffpunkt Flughafen
An irgendeinem Flughafen warten die Passagiere darauf, endlich das Flugzeug nach New York boarden zu können. Die Stewardess bereitet den Boardingprozess auch gewissenhaft vor. Allerdings läuft nichts wie geplant und es kommt fortlaufend zur Verspätung. Hier treffen vier Frauen aufeinander. Da ist zum Beispiel die Karrierefrau, die auch mit reiferen Alter neben dem Job auch das Liebesleben nicht anbrennen lässt. Die Vornehme, die einen reichen Mann geheiratet hat und sich damit einen gewissen Luxus erlaubt, die Hausfrau, die überhaupt zum ersten Mal fliegt und die Verlobte, die ganz eigene Ziele verfolgt. Schon allein durch die unterschiedlichen beruflichen und sozialen Stellungen kommt es bald zum Gespräch und einigen witzigen Wortgefechten…

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Die Stewardess (Cathérine Lanser) gibt der Verlobten (Verena Pötzl) eigene Tipps in Sachen Altern. (Foto: TLT)

 

Ein bisschen Evergreen ein bisschen Michael Jackson und viel Weiblichkeit

Unter der Regie von Dale Albright und der musikalischen Leitung von Hansjörg Sofka ist ein stimmungshafter Abend entstanden. Die Besonderheiten an den Songs sind, dass es eigentlich Neuvertextungen zu bereits existierenden und bekannten Liedern sind. Somit bekommen wir zum Beispiel Tony Christles Song „Is this the Way to Amarillo“ als „Ich freu mich auf die Wechseljahre“ als grandiosen Ohrwurm präsentiert. Ebenso haben sich andere Klassiker wie Michael Jacksons Thriller in neuem Text und Arrangement unter die Lieder gemischt.
Leidenschaftliche Weiblichkeit
Verena Pötzl   als „Verlobte“ spielt die jüngste der Fluggäste. Als 38-jährige Frau wünscht sich die Verlobte sehnlichst ein Kind, aber bisher hat es nicht geklappt und die Uhr beginnt laut zu ticken. Die ehemalige „Starmania“ -Gewinnerin (eine der ersten Castingshows in Österreich, 2003) gibt mit ihrer rockigen Stimme Gas, aber zeigt auch ihr schauspielerisches Können. Sie steht nicht das erste Mal für das TLT auf der Bühne, schauspielerisch ist sie durchaus gewachsen und konnte überzeugen.

Als große Überraschung empfand ich Susanna von der Burg. Die eigentliche Opernsängerin, die letzte Saison z.B. als Emilia Marty in „Die Sache Makropulos“ auf der Bühne zelebrierte (und die Webseite des Landestheater in der Rolle ziert), geht voll in der Rolle der „Vornehmen“ auf. Eine Dame, die auf den ersten Blick arrogant und unfreundlich wirkt, aber unter ihrem Chanel-Kostüm genauso zerbrechlich ist. Die ruhigen und melancholischen Lieder, die sich kritisch und reflektierend mit dem Leben auseinandersetzen geben dem Stück Charme und Tiefgang.

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Einfühlsame Momente- altern ist nicht immer leicht. (Foto: TLT)

 

Christa Platzer als Karrierefrau zeigt, dass man mit Anfang 50 noch längst nicht zum alten Eisen gehört oder gar plötzlich die Lust verliert. Besonders im Schlagabtausch mit den anderen Frauen nimmt sie kein Blatt vor dem Mund und zeigt den Männern, wo der Hammer hängt. Stimmlich perfekt im Einklang mit dem Wechseljahre-Quartett zeigt sie buchstäblich die „Heissen Zeiten“ auf. Schade, dass Platzer nur für diese Produktion verpflichtet ist, aber man weiß ja nie, wo man sich noch auf der Bühne begegnet.

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Die Hausfrau (Ruth Müller) freut sich auf den Abflug. (Foto:TLT)

 

Als absolute Stimmungsrakete wurde Ruth Müller verpflichtet. Die energiegeladene  Hausfrau mischt  das Terminal richtig auf und freut sich auf ihre Reise nach New York, mal ohne Mann und Kinder. Mit viel Enthusiasmus und Witz sorgt sie für die meisten Lacher des Abends und lockt damit nicht nur die anderen Reisenden aus der Reserve. Großartige Leistung!

Neben dem Quartett der vier Damen war aber ein absolutes Highlight die Stewardess. Klischeebeladen und immer wieder als genialer Sidekick lockerte sie all zu trübe Momente auf. Cathérine Lanser stand nicht nur das Kostüm, sie hat auch eine wunderschöne Stimme. Schade. dass  für sie leider nicht so viel Gesangpart dabei war. Aber als multifunktionale Stewardess, die neben Triebwerkbränden, Personalproblemen, Kioskverkauf und Toilettenreinigung auch noch die Launen der Passagiere erträgt setzt sie immer noch eins mit ihren Kommentaren drauf und rundete das Ensemble wunderbar ab.

Fazit:

„Heisse Zeiten- die Wechseljahrerevue“ liefert gute Laune pur.  Trotz aller Lacher und Klischees rutscht es nicht in Klamauk ab und garantiert so wunderbaren Bühnengenuss. Dale Albright hat mit der Besetzung und der Regie die volle Punktzahl getroffen. Wer also wie ich die Wechseljahre noch laaaaang vor sich hat, oder vielleicht gerade mitten drin oder dahinter ist… das Stück ist für jedermann und natürlich jederfrau geeignet.

Einen Wermuts-Tropfen gibt es allerdings: Derzeit sind fast alle Vorstellungen nahezu komplett ausverkauft. Hoffen wir, dass es aufgrund der absolut gigantischen Nachfrage ein paar Zusatzvorstellungen gibt. Aber trotzdem lohnt es sich, immer wieder mal nachzufragen, ob es Tickets gibt, denn es ist absolut sehenswert!

„Ich freu mich auf die Wechseljahre – denn das sind die fetten Jahre“

 

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Auch mit 50 kann man es noch krachen lassen. (Foto:TLT)

 

Infos und Anfragen:
www.landestheater.at

 

 

 

Titelbild: TLT

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