Rezension: Tanz der Vampire in München (Premiere)

Premieren sind ja an sich schon ein klasse Event, aber dass ich einmal in einem meiner Lieblingsstücke bei der Premiere dabei bin. Noch dazu mit meinem Lieblingsdarsteller… Heilige Fledermaus! 10 Monate! Über 10 Monate, seitdem die Tickets in den VVK gekommen sind, habe ich auf diesen Abend hingefiebert. Tanz der Vampire feierte am 6. Oktober seine Premiere im Deutschen Theater in München und ich war live dabei!

Premiere mit reicher Promidichte

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Das Deutsche Theater hat sich richtig in Schale geworfen für die Vampire. Angestrahlt in den verschiedensten Farben wurden wir direkt ins Foyer gelotst. Vorbei am Roten Teppich, wo auch so einige Stars entlang flanierten (und ich natürlich mal wieder keine Ahnung habe, wer die alle waren, ich weiß nur, dass mir viele schon mal im Fernsehen über den Weg gelächelt sind.) Die Stimmung war super losgelöst. Im Theater konnte man sich unter anderem die Lippen rot schminken lassen, es gab gratis Ausschank von Getränken und Kuchen. Was konnte da noch schiefgehen?

Wohl der Nacht

Mit etwa 10 Minuten Verspätung begann dann auch endlich die Vorstellung. Ich saß in Reihe 3 im rechten Parkett und hatte eine großartige Sicht auf die Bühne. Das Deutsche Theater hat wirklich Plätze und Sitze bis nahezu an den Bühnenrand verbaut. Dadurch leidet zwar die Beinfreiheit, andererseits kann man den Vampiren direkt auf ihre Beißerchen gucken.

Die Geschichte dürfte hinlänglich bekannt sein: Professor Abronsius und sein Gehilfe Alfred sind irgendwo in den Wäldern Transylvaniens unterwegs, um die Existenz von Vampiren zu beweisen. Während eines Schneesturms erfrieren beide beinahe, ehe Alfred beide in ein Wirtshaus retten kann. Dort steigt bereits die Party mit viel Knoblauch und schlechtem Essen. Der Wirt Chagal nimmt die beiden Fremden natürlich auf. Aufgeweckt von den Unmengen an Knoblauch im ganzen Haus ist Abronsius ganz außer sich vor Freude und will wissen, ob es in der Nähe des Hauses eventuell ein Schloss gibt. So lustig die Stimmung davor war, umso schneller friert sie nun ein. Die Dorfbewohner verneinen vehement. Als Chagal die zwei Vampirjäger auf ihr Zimmer bringt und ihnen ein „Hoch modernes Badezimmer“ präsentiert, erhascht Alfred unweigerlich einen Blick auf Chagals Tochter Sarah, die eine leidenschaftliche Badewannenfetischistin ist. Bezaubert von ihrer Art, verliert er schnell den Kopf.
Doch nicht nur Alfred hat es auf Sarah abgesehen. Im Dunkeln der Nacht schleicht eine mystische Erscheinung ums Wirtshaus: Es ist Graf von Krolock, ein Vampirgraf, der in Sarah seine nächste Beute sieht. Als er sie am darauf folgenden Abend zum Mitternachtsball in seinem Schloss einlädt, gibt es für Sarah kein Halten mehr. Sie verschwindet durch den Wald. Professor Abronsius und Alfred jagen hinterher, um die Wirtstochter zu retten. Am Schloss angelangt werden die Beiden schon vom Grafen und dessen Sohn Herbert erwartet. Damit bleibt nicht viel Zeit, auf der einen Seite die Existenz von Vampiren  zu beweisen und auf der anderen Seite Sarah zu retten. Denn der Mitternachtsball steht schon kurz bevor….

Sehnsucht, Sexappeal und Blutdurst

Die Tanz der Vampire Produktion in München ist eine Kooperation mit Stage Entertainment und in dieser Fassung geht auch das Stück über die Bühne. Musikalisch gesehen war zumindest vorne, alles in bester Lautstärke und Tonqualität. Ich bin mir nicht sicher, ob manchmal ein bisschen was dazu abgemischt war, weil das Orchester überraschend klein war. Nichts destotrotz ein volles Klangerlebnis.
Wer wie ich mit der Wiener Fassung und später dann die Neufassung kennengelernt hat, ging ein kleiner Stich durchs Herz: Mal wieder ist der Stift angesetzt worden und ein paar Passagen wurden rausgekürzt. Die waren jetzt nicht lebenswichtig oder irgendwie tragend fürs Stück…aber es fehlt halt was. Ähnlich wie eine Mandel – oder Blinddarm OP. Man kommt ohne gut klar, aber es ist eben nicht komplett…
Das Bühnenbild hat sich nicht groß geändert. Im Zuge der Tourproduktion wurde ein bisschen adaptiert.

Von der Besetzung traten die gleichen Darsteller wie in Berlin auf. Und gerade das machte es für mich äußerst spannend, da ja gerade viele Hauptrollen äußerst kritisch betrachtet wurden.

TANZ DER VAMPIRE
Veronica Appedu und Tom van der Ven als Sarah und Alfred Foto:Eventpress

Veronica Appedu als Sarah stand phonetisch leider immer wieder im Kreuzfeuer. Und ich gebe zu, das erste Video mit Mark Seibert hat mich nicht überzeugt. In München dafür war die Sängerin der reine Wahnsinn. Sie spielt Sarah mit einer süßen Leichtigkeit, hat eine wunderschöne Stimmfarbe. Man merkt, dass sie mittlerweile die Rolle einige Monate gespielt und Routine bekommen hat. Gerade „Totale Finsternis“ ging sehr locker von der Hand. Natürlich hört man noch einen leichten Akzent, der aber richtig süß klingt. Und im Vergleich zur Version mit Seibert, die noch sehr sperrig wirkte, klang Appedu entzückend und sicher im Text!

Hervorragend besetzt ist auch Alfred mit dem Niederländer Tom van der Ven .  Stimmlich passt er gut zu Appedu, seine leicht kindliche und unschuldige Art weckt so manchen Beschützerinstinkt. Trotzdem ist der Alfred bereit, alles für seine Sarah zu geben, auch wenn es ihm einiges an Mut abverlangt. Genau das spielt van der Ven sehr gut. In der Gegenüberstellung mit dem Grafen wirkt die Rolle fast schon etwas verloren und klein. Umso größer kommt damit das Kämpferherz zum Vorschein. Ein toller Alfred!

TANZ DER VAMPIRE
Victor Petersen als Abronsius Foto:Eventpress

Wer sich so richtig in seine Rolle reingekniet hat, war Victor Petersen als Professor Abronsius. Der kauzige alte Wissenschaftler hat eine hervorragende Übersetzung. Ich habe einige Professoren erlebt, Petersen gefällt mir mir Abstand am Besten. Das Gebrechliche und Alte, sind so hervorragend gespielt, dass man schnell vergisst, dass da ein noch recht junger Schauspieler unter dem Schnauzbart und der Glatze steckt. Die meisten Lacher hatte er mit seiner Art und dem übertriebenen Spiel auf jeden Fall auf seiner Seite. Gesanglich ist Petersen ohnehin eine Wucht und er hat verdient viel Applaus vom Publikum geerntet.

Erwähnenswert sind ebenso noch die Nebencharaktere. Yvone Köstler als Rebecca hat auf der einen Seite die gebieterische Wirtsfrau und ebenso die liebende Ehefrau verkörpert, die ihren „Yoine“ doch mehr liebt, als es erst den Anschein macht, obwohl Chagal ein kleiner Womanizer ist. Ich finde es immer wieder schade, dass dei Rolle auf die erste Hälfte beschränkt ist, man könnte da mehr rausholen. Umso schöner fand ich ich Köstlers Einsatz.

 

TANZ DER VAMPIRE
Merel Zeeman als Magda. Foto:Eventpress

Als Magda stand Merel Zeeman auf der Bühne. Im ersten Akt hat sie für mich einen Ticken „zu lieb“ gespielt. Ich kenne Magda als dralle, forsche und selbstbewusste Magd. Zeman wirkte schon etwas zerbrechlich und anständig. Umso überraschter war ich im zweiten Teil, als aus der „tadellosen Magd“ wirklich buchstäblich ein echter Vamp geworden ist. Dann dreht sie auch stimmlich voll auf und schöpft aus dem Vollen ihrer Rolle.

Tja, dann ist da noch Chagal… ich mag Chagal einfach und wie Nicolas Tenerani mit der Rolle umgeht, war brilliant! Gut verständlich gesungen, mit vielen herrlichen Flüchen und einer absolut sarkastischen Art wickelt er nicht nur Magda um den Finger. Er hat mehr als einen Lacher auf seiner Seite und die Jagd durchs Wirtshaus und durchs Theater waren absolut köstlich. Chagal ist einfach eine meiner Lieblingsfiguren in Tanz der Vampire. Wer übrigens noch nicht weiß, warum Chagal der wahre Womanizier ist, kann das hier nachlesen. (Nicht ganz ernst gemeint 😉 )

Last but not Least, Herbert, Sohn des Grafen, Junggeselle voll unerfüllter Liebe… Der Vampir hat mittlerweile Kultstatus entwickelt, ist Gegenstand so manch verrückter Fanfiction. Milan van Waardenburg hat großartig Lust und Liebe in graziöser Gestalt verkörpert. Eigentlich ist Alfred schon blöd, dass er der naiven Sarah nachläuft, wenn er IHN haben könnte. Leider ist die Rolle eher kleiner angelegt. Umso mehr Applaus und Spaß hat es gemacht, Waardenberg beim Singen und Tanzen zuzusehen. Großartige Leistung!

Unterstützt wurden die Hauptrollen von einem tollen Ensemble. Insgesamt 34 Köpfe gehören der Cast an. Die Choreographien waren super stimmig und gut einstudiert. Man hat gemerkt, dass selbst die kleineren Rollen von den Darstellern mit viel Liebe und Hingabe ausgefüllt wurden. Und gerade ohne das wäre das Stück nur ein Schatten seiner selbst! Danke, liebes Ensemble!

The one and only – Thomas Borchert

Tanz der Vampire
Thomas Borchert als Graf von Krolock. Foto: Eventpress

Mit der Premiere hat sich auch ein Kindheitstraum für mich erfüllt. Über 13 Jahre habe ich wirklich darauf gewartet, Thomas Borchert einmal irgendwie live zu sehen. Es hat sich aus dummen Zufällen nie ergeben. Als ich 2005 eeendlich mal nach Hamburg gekommen bin, um ihn zu sehen, war er leider krank. C’est la vie! Ihn dann nochmal als Graf zu erleben… OOOOOOOOOH MEIN GOTT!!!!!! Und das Warten hat sich durchaus gelohnt. Borchert hat dem Grafen seine eigene Tiefe und Vielseitigkeit gegeben. Großartig ist das Spiel aus Sarkasmus, tiefem Leid und einfach unstillbarer Blutgier. Beim „Totale Finsternis“ habe ich richtig Gänsehaut bekommen, man merkt die Mischung aus Verzweiflung, Lust und Leidenschaft. Zusammen mit Veronica Appedu ist da ein großartiges Duo auf die Bühne gestellt worden. Wirklich Wahnsinn, was der Mann auch nach so vielen Jahren immer wieder für neue Seiten aus der Rolle des Grafen herausholt!
Borchert passt insofern auch zum Krolock, weil er eine sehr facettenreiche Stimmfarbe hat. Von sanften und weichen Tönen, bishin zu dunklen gefährlichen Klängen, die einem einen den Schauer über den Rücken jagen. Mit Abstand erhielt er auch beim Schlussapplaus den Jubel. Als Premierengraf hat München damit echt eine super Wahl getroffen!

Ein bisschen Steifheit und netter Abend

Ich habe schon ein paar Premieren erlebt. Allerdings muss ich sagen, dass ich ein bisschen das Münchner Publikum steif fand. Vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch, aber wirklich diese Standing Ovations, die den Ablauf kurz unterbrechen, oder langer Applaus, blieb leider aus. Ich hab mir zwar die Seele aus dem Hals gejubelt, allerdings war ich leider damit eher die Ausnahme. Immerhin gabs zum Schlussapplaus ein großes Standing Ovation, dass wirklich jeder der Darsteller, Musiker und der helfenden Hände hinter der Bühne absolut verdient hat.

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Übrigens gab es einige Fans, die sich als Vampire, Krolock, Herbert oder Sarah verkleidert haben. Mit wirklich aufwendigen Kostümen und Liebe zum Detail waren die in der Pause und im Anschluss ein echter Publikumsmagnet!

Nach dem letzten Vorhang gab es noch eine Aftershow-Party im Foyer. Wieder mit Gratis-Sekt, Kuchen und Kaffee (wirklich lebensrettend, wenn man den ganzen Tag vor lauter Aufregung nichts gegessen hat)

Ich war zusammen mit meiner Patentante auf der Premiere. An dieser Stelle mal ein RIESIGES DANKESCHÖN!!! Denn sie hat mir die Karten geschenkt und auch damals, als ich noch ein kleiner Vampirfan war, mich überhaupt erst zu dem Stück gebracht. Übrigens hat sie noch Steve Barton live miterlebt – eine Erfahrung, die ihre Messlatte sehr hoch gelegt hat. Borchert ist da offenbar gut drüber gekommen.
Mit Musik und eben einem netten Ambiente klang der Abend langsam aus. Aber mein persönliches Highlight hat sich dann, kurz bevor wir gegangen sind ergeben:

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DAS AUTOGRAMM!!!!!

Habe ich erwähnt, dass ich seit 13 Jahren ein Riesenfan bin? Wenn dir plötzlich dein Idol gegenübersteht, ist das schon was Besonderes. Und leider tritt hier meine großartige Macke auf: Meine große Klappe versagt ihren Dienst.

Natürlich sind die Darsteller auch „nur Menschen“ aber eben für mich Personen, die mir in teils schwierigen Phasen meines Lebens durch ihre Darstellung und Musik sehr weiter geholfen haben. Dementsprechend kleinlaut wirke ich dann immer, wenn ich auf dieselben treffe, die mich eigentlich schon mein halbes Leben zumindest bühnentechnisch und musikalisch begleitet haben.

Tja, Chagals Rat „Saug dir etwas Mut an“ hätte da gar nichts geschadet. Zum Glück hat meine Tante da mehr Selbstbewusstsein und so bin ich mit einem fetten Stubser ihrerseits zu einem Autogramm gekommen. An dieser Stelle: Vielen vielen Dank, Herr Borchert! Sie wissen nicht, was das für mich bedeutet!!!

Danach sind wir auch bald wieder Richtung Heimat gestartet, ich fett grinsend wie ein Teenie und mit vielen tollen Erinnerungen!“

Fazit:

Die Stage-Version von Tanz der Vampire in München war großartig wie eh und je. Mit einer wirklich tollen Cast, großartigen Solisten und zwei unglaublich guten Grafen (ab 20. November tritt Jan Ammann als Krolock auf) kann ich jedem nur empfehlen, da rein zu gehen.
Preislich gesehen, sind die Tickets sogar noch erschwinglich! Also, spitzt eure Beißerchen und kommt zum Mitternachtsball. Tanz der Vampire gastiert bis 15. Januar in München. Seid Bereit!

Tickets:

Könnt ihr hier kaufen:

Weitere Informationen unter:

www.deutsches-theater.de

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Birgit sagt:

    Sehr gut geschrieben. Man bekommt sofort Lust es zu sehen und spürt deine Begeisterung

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