Meister Eder und sein Pumuckl im Tiroler Landestheater – Rezension vom 13.11.2016 (Premiere)

Hurra, Hurra, der Kobold mit dem roten Haar! Hurra, Hurra, der Pumuckl ist da!

Nachdem ihr nun euren Ohrwurm des Tages bereits im Kopf habt, folgt nun meine Rezension zum diesjährigen Märchenstück für Kinder im Tiroler Landestheater. Und heuer haben wir es mit keinem geringeren als dem frechen Kobold aus der Werkstatt zu tun.

Ich für meinen Teil bin ja schon ein begeisterter Theatergänger. Das leidenschaftlichste Publikum aber, das ich kenne, sind die Kinder. Mit altersgerechten Stücken fiebern die Kleinen oft dermaßen mit, dass das ein oder andere sich gerne selbst auf der Bühne mit den Bösen anlegen will.
Deshalb suchen die Kreativ-Köpfe immer ein passendes Märchen oder Stück aus, um damit Groß und Klein einen schönen Besuch zu bescheren. Heuer hat sich der allseits bekannte Pumuckl in die Kammerspiele geschlichen, um dort dem Meister Eder seine Streiche zu spielen.

Wer als Kind die Bücher gelesen oder die deutsche Fernsehserie mit Gustl Bayrhammer als Meister Eder und Hans Clarin als Pumuckls Stimme gesehen hat, dürfte die Geschichte relativ gut kennen:

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Pumuckl (Ayla Antheunisse) macht dem Meister Eder (Jan Schreiber) das Leben schwer.  Foto: TLT

Es geht nicht mit rechten Dingen zu in der Schreinerei vom Meister Eder. Zuerst findet der Tischler sein Werkzeug nicht, dann bewegen sich unerklärlicherweise Gegenstände. Und immer wieder zwickt ihn etwas ins Bein.
Als dann an seinem Leimtopf ein echter Kobold kleben bleibt, versteht der arme Meister Eder die Welt nicht mehr. Es ist Pumuckl, seines Zeichen reimender Nachfahre der Klabauter. Bisher war Pumuckl immer unsichtbar, aber weil der Meister Eder – wenn auch unabsichtlich – gefangen hat, ist er für ihn nun sichtbar und er muss bei ihm bleiben. Das ist Koboldsgesetz!  Meister Eder ist davon nicht so ganz begeistert, gewöhnt sich aber an das rothaarige Kerlchen.
Doch dann kündigt sich Meister Eders Schwester mit ihrer Tochter Bärbel an. Aber Pumuckl kann die Bärbel nicht ausstehen. Was für Streiche hat sich der freche Kobold denn nun wieder ausgedacht?

Das ca 70-minütige Stück von Ellis Kaut war bei der Premiere komplett ausverkauft. Regisseurin Nilufar K. Münzing hat sich dabei auf Schlichtheit, Witz ohne großen Schnickschnack konzentriert.  Ich war übrigens nicht die einzige kinderlose „Erwachsene“, die sich hinein gesetzt hat. Aber auch die vielen teilweise noch recht jungen Kinder waren wirklich ganz konzentriert bei der Sache und verfolgten Pumuckls Streiche und die Donnerwetter vom Meister Eder.

Herzliches Ensemble mit liebevoller Kulisse

Mit viel Hingabe haben die Darsteller großartige Figuren zum Leben erweckt.

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Pumuckl versteckt – und niemand was meckt! Foto: TLT

Ayla Antheunisse als Pumuckl hatte wahrscheinlich die schwerste Partie, wenn sie aus Kisten kletterte, buchstäblich über Möbel sprang und mit vollem Elan ihre „17 und 11 Haare“ raufte. Absolut großartig tobt sie über die Bühne und wenn man mit dem Pumuckl groß geworden ist, kannte man viele der witzigen Aussagen und Wortspiele, die der Kobold brachte. Antheunisse hat sich ziemlich am Original gehalten und damit mehr als einmal nostalgische Erinnerungen geweckt oder für Lacher gesorgt.
Der leicht überforderte Meister Eder wird von Jan Schreiber  gespielt. Seine Wutausbrüche und liebevolle Art zum Pumuckl haben mich sehr an den Film-Eder erinnert. Da ich natürlich mit Gustl Bayrhammer im Fernsehen groß geworden bin, hat mir nur persönlich ein bisschen der typisch bayrisch-münchnerische Dialekt gefehlt.  Aber spätestens wenn Meister Eder lospoltert, um Pumuckl zu ermahnen steht er dem Münchner Original um nichts nach.

Christine Stallbaumer und Ruth Pfleger verkörperten in der Geschichte Eders Schwester Anni und deren Tochter Bärbel. Gerade die kleine Bärbel ist dermaßen von Pumuckl begeistert, dass sie den Kobold am liebsten auch mit Leim fangen will. Stallbaumer hatte nicht so viel Bühnenpartie, spielte aber die strenge Mutter, die nicht viel von Eders „Fantasien“ hält.
Pfleger spielte ganz entzückend die kleine Nichte Bärbel, mit der man absolut Mitleid hat, weil sie den Pumuckl einfach nicht sehen kann oder weil wieder einmal ihr Hamster verschwunden ist.

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Herr Schmitt (Hans Danner) traut seinen Augen nicht. Foto: TLT

Mein persönliches Highlight war Nachbar  Schmitt (Hans Danner) der auf der einen Seite den Meister Eder für irre hält, auf der anderen Seite in großartiger Situationskomik veruscht herauszufinden, warum sein Hut wie von Geistes Hand über die Bühne springt.
Auch Frau Dr. Gernheim (Christine Stallbaumer) kann da keine Diagnose stellen, ob und wie verrückt der Meister Eder wirklich ist.

Ganz verzaubert war ich von der Kulisse, gestaltet von Andrea Kuprian, welche die Kinder immer wieder ins Staunen versetzte. Da bewegt sich plötzlich der Hammer auf unsichtbare Weise, Pumuckl verschwindet durch Wände, taucht in einer Kiste wieder auf, Gegenstände verschwinden und kommen wieder. Die Kinder hatten allerlei zu beobachten. Auch die Detailverliebtheit und die Lichtspiele mit Tag und Nacht waren durchaus gut umgesetzt worden.

„Hab ich alles bloß geträumt? – Na!“

Die Bühnenversion vom Pumuckl hat zwar lauter nette Spielereien, aber keinen großen Schnickschnack, liebenswerte Charaktere und eine einfache und verständliche Geschichte. Münzing verzichtet auf kindlichen Slapstick und lässt die Figuren einfach wirken. Dadurch ist das Kinderstück durchaus unterhaltsam für Erwachsene. Denn kindisch oder albern wirkt es nie.
Es gibt in dem Stück keine guten und bösen, sondern nur freche und artige Leute. Und die Kinder lieben es!
Ganz ergriffen haben auch kleinere aufmerksam die Streiche beobachtet oder mit dem Pumuckl gelacht, wenn er wieder was angestellt hat.
Als sich Meister Eder in einem Monolog fragt: „Hab ich alles nur geträumt?“ kommt promt die Antwort von einem Tiroler Mädchen aus dem Publikum: „Na!“

Mit der diesjährigen Weihnachtsproduktion für die Familie hat das TLT also durchaus einen guten Griff gemacht. Wer sich das Stück ansehen möchte, es spielt fast täglich, viele Termine sind bereits jetzt gut gebucht, also reservieren und kaufen lohnt sich!

 

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So frech der Pumuckl auch ist – Der Meister Eder mag ihn trotzdem! Foto: TLT

Übrigens als eine Mutter an der Garderobe ihren Sohn fragte, wer ihn denn am besten im Stück gefallen habe, war auch da die Antwort glasklar: „Bärbels Hamster“. Kinder sind eben gute Zuseher 😉

Karteninfos:

www.landestheater.at

Per Mail: kassa@landestheater.at
Tel: +43 (0)512 527074-4

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  1. Birgit sagt:

    Toll geschrieben, man hat das Gefühl dabei gewesen zu sein

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