Matinee zu Nostradamus im Tiroler Landestheater

Neuinszenierungen, Erstaufführungen und Premieren mit einem großartigen Ensemble sind eine besondere Sache. Wenn alles drei in meinem Stammtheater aufeinander trifft, dann darf natürlich auch ein Vorabbericht nicht fehlen. Die Matinee zum Musical „Nostradamus“ am 11.12.2016 im Tiroler Landestheater hat erste vielversprechende Einblicke gegeben, was uns in einer Woche erwarten wird.
Bis auf den letzten Platz besetzt war das Foyer des Tiroler Landestheater am dritten Advent 2016. Sogar auf den Stufen machten es sich neugierige Zuschauer halbwegs gemütlich, um bei der Matinee zum Musical „Nostradamus“ ganz Ohr und Auge zu sein.

Chefdramaturgin Christina Alexandridis moderierte die Gesprächsrunde mit Darstellern und Schaffenden des Stückes und so wurde ein guter Einblick in die bevorstehende Produktion gewährt.

In Memoriam Roger E. Boggasch

Der Intendant des Hauses selbst, Johannes Reitmeier, hat vor 16 Jahren  das Libretto zu „Nostradamus“ geschrieben. Gemeinsam mit dem ehemaligen Operndirektor des TLT, Roger E. Boggasch, entwarf er die Geschichte rund um eine der mysteriösesten Figuren des 16. Jahrhunderts. Generell diese Epoche sei für ihn eine der faszinierendsten der Geschichte gewesen, erklärt der Intendant. Viele schillernde Persönlichkeiten, die neben Nostradamus lebten, prägten die Geschichte Europas bis heute: Shakespeare, Kopernikus oder Paracelsus seien nur einige wenige davon gewesen.  Die Biographie Nostradamus zu einer Geschichte zu verpacken, sei angesichts der vielen vorhandenen biographischen Schriftzeugnisse Gott sei Dank machbar gewesen, „ganz anders als etwa zu Shakespeare, zu dem es kaum zeitgenössische Aufzeichnungen gegeben hat“, erklärt Reitmeier. Aufgrund der guten Aufzeichnungen sei die Lebensgeschichte auf der Bühne auch historisch inhaltlich sehr wahrheitsgetreu. „Wobei ein Musical natürlich nicht zur Geschichtsstunde verkommen soll“, betont Reitmeier. Einige Konflikte seinen wohl etwas auf die Spitze getrieben, aber im Großen und Ganzen wurde sich an biographische Ereignisse des Alchimisten gehalten.

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Foto: TLT

Ursprünglich war geplant, dass der Komponist Roger E. Boggasch selbst, bereits in der letzten Saison am TLT Regie bei Nostradamus führen sollte. Durch den viel zu frühen Tod des angesehenen Musikers wurden diese Pläne verhindert. Umso mehr war es Reitmeier ein Anliegen, die Innsbrucker Neufassung des Musicals, dass er gemeinsam mit seinem Kollegen und Freund um die Jahrtausendwende auf die Bühne brachte, ihm zu widmen. Deswegen übernahm Reitmeier die Regie.

In intensiver Zusammenarbeit haben die zwei damals zusammen gesessen, um Text und Musik aufeinander abzustimmen. „Dann habe ich wieder zwei Zeilen geschrieben, diese Roger aufs Klavier gelegt und er hat die Musik dazu buchstäblich erfunden“, erinnert sich Reitmeier zurück. Da er und Boggasch bereits damals in leitenden Funktionen tätig waren, musste es wortwörtlich die Arbeit im stillen Kämmerlein sein, um das Projekt voranzubringen.
Dass Nostradamus, ein Musical und nicht etwa eine Oper wurde, ist übrigens einer vorhergehenden Zusammenarbeit Boggaschs mit Harry Kupfer zu verdanken. Dieser hatte kurz zuvor äußerst erfolgreich das Musical „Mozart“ inszeniert und Boggasch davon vorgeschwärmt. Auch dem damaligen Zeitgeist entsprechend standen alle Zeichen auf Musical. Eine gute Idee, wie die spätere Auswahl der vorgetragenen Lieder zeigen sollte.

 

Jazz meets Renaissance

Um Lust auf mehr zu wecken, präsentierten einige der Darsteller bereits erste Ausschnitte aus dem Musical. So zeigte Florian Stern als französischer König Heinrich II in seinem „Chanson des Königes“, was er von Nostradamus  als Propheten hält – nämlich gar nichts und warnt ihn vor den Fallen des Königshofes der Medici.

Im Lied „Wer so wie du…“, gesungen von Dale Albright in der Rolle von Nostradamus einstigen Förderer Jules Scaliger, zeigen sich die eher popbedachten Töne. Der Text war zwar nicht ganz so griffig, Albright und das Publikum nahmen es mit Humor. Bis zur Premiere ist es ja noch ein bisschen hin 🙂

Neben Feinden am Hofe der Medici hat Nostradamus auch kirchliche Verfolgung zu befürchten. Der Inquisitor von Lyon will dem Quaksalber mehr als einmal an die Gurgel. Johannes Wimmer, der den Inquisitor darstellt, zeigt in Begleitung dreier Mönche seine Absichten gegenüber Nostradamus. Dieses Quartett (aus Krankheitsgründen einer der Mönche an diesem Sonntag ein Terzett…) hat mir persönlich von der Melodie am besten gefallen. Ein bisschen Jazz, gemischt mit Renaissancehaften Melodien waren ein echter Ear -Catcher.

Die gehörten Textproben sind für mich als Germanistin übrigens wirklich gut gelungen. Metrisch sowie künstlerisch sind wirklich tolle Verse entstanden. Eine Aneinanderkettung an Reimen wurde vermieden, mit Metaphorik und viel Gefühl sind kleine Sprachkunstwerke entstanden.

Jürgen Tauber, der in Innsbruck als Musical Supervision für die Orchestrierung des Stückes verantwortlich ist, lieferte noch einen etwas tieferen Einblick in die musikalischen Motive von „Nostradamus“. Eine Besonderheit ist, dass  einem symphonischen Apparat mit Fokus auf Blechinstrumenten auch noch Bandinstrumente, bestehend aus Klavier, Keyboard, Gitarre Bass und Schlagzeug gegenüberstehen. Zwar sind die Songs mit Inspiration aus Pop und Jazz dem aktuellen Zeitgeist zugeordnet, aber musikalische Anleihen aus dem 16. Jahrhundert, wie Fanfarenklänge usw. sind auf jeden Fall wiederzuerkennen.

Musikalischer Leiter Hansjörg Sofka zeigte sich ebenso verzaubert wie begeistert von der Musik. Besonders die großen Chorgesänge seien seine persönlichen Favoriten. „Die Chornummern sind große Würfe.“

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Kleid der Katharina di Medici, Foto: Kulturkiwi

Da „Nostradamus“ neben der österreichischen Erstaufführung auch eine Neuinszenierung wird, hat sich einiges getan. Zwar ist das Stück etwas gestrafft worden, dafür wurden drei neue Songs geschrieben. Für das Bühnenbild und Kostüme ist Michael Zimmermann verantwortlich. Der Chefkostümbildner des Hauses hat bei dieser Produktion aus dem Vollen geschöpft. Allein die zwei Kostüme von Nostradamus und Katharina di Medici, die ausgestellt wurden, zeigen, dass sich nah an zeitgenössischer Kleidungsstile orientiert wird. Wertvolle Stoffe, viel Perlen und Strass wurden verwendet. Auch beim Bühnenbild wurde Prunk nicht ausgespart. „Aus der Malerwerkstatt wurde mir gesagt, dass der Goldstaubvorrat wohl ziemlich aufgebraucht ist“, erzählt Zimmermann lachend.

Dass bei Nostradamus kein Aufwand zu teuer war, heißt besonders der Intendant Johannes Reitmeier gut. Außerhalb des Theaters gebe es kaum noch Möglichkeiten für Schneider, Maler und Künstler, ihr Können dermaßen unter Beweis zu stellen. Deswegen sei es umso schöner, dass dies auf der Bühne geschehen könne, resümiert er und erntet dafür großen Applaus.

Uwe Kröger als Nostradamus
Wohl einer der größten Coups ist, dass Musicalstar

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Uwe Kröger  Foto: Stefan Gergely

Uwe Kröger als Hauptdarsteller gewonnen werden konnte. Kröger war sofort am Rollenangebot interessiert. Besonders der Mensch hinter der Figur des Nostradamus habe für ihn äußerst faszinierende Facetten gehabt, erklärte er den interessierten Zuschauern.

Kröger, der am 4. Dezember seinen 52. Geburtstag feierte, sieht durchaus Parallelen zu seiner Bühnenfigur. „Nostradamus war ja auch Schütze genau wie ich“, schmunzelt er. (Anm. Historischer Nostradamus ist am 14. Dezember 1503 geboren).
Und auch ein gewisses Interesse für nicht ganz erklärliche Prophezeiungen gibt er zu. Er habe eine persönliche Bekannte, die immer wieder gewisse Stationen seines Lebens vorausgesehen habe, erzählt der Musicaldarsteller. Um sich besser in die Rolle des Nostradamus einfühlen zu können fragte er sie aus, wie es sei, wenn man eine schreckliche Vorhersehung habe. Denn besonders die Authentizität seiner Rollen ist Kröger wichtig.

Nostradamus auf der Bühne ist ein unruhiger, zerissener Geist. Zunächst verliert er seine Familie an die Pest, reist später durch Europa, prophezeit immer wieder gute aber auch viele schreckliche Ereignisse.
Einen ersten Einblick schaffte das Duett zusammen mit Adrienn Cunka „Endlose Nacht“. Cunka verkörpert Nostradamus erste und zweite Ehefrau. Die erste Ehefrau stirbt an der Pest. In diesem schönen und traurigen Duett geht es um die letzten Momente, die eben das Grauen der Pest, die Aussichtslosigkeit und den Schmerz beschreiben. Gänsehautfeeling, klare Stimmen und einfach beeindruckende Performance von Kröger und Cunka sorgten erst für angespanntes Schweigen, dann großen Applaus im Foyer, als die letzten Töne verhallt sind.

Kröger gefällt besonders, dass Nostradamus ein „klassisches Musical“ sei. „Man hat gesprochene Teile. Und dort wo das gesprochene Wort eben nicht mehr reicht, schwingt die Musik die Gefühle eben weiter.“ Für die Stadt Innsbruck ist er übrigens voll des Lobes.
Klar, wer mag uns auch nicht? 😉

Im Anschluss an die fast 90 minütige Matinee verteilte Uwe Kröger noch Autogramme oder signierte seine Biographie „Ich bin was ich bin“.

Fazit: Wer vor vielen Jahren Nostradamus gesehen hat, sollte es sich auf jeden Fall nochmal ansehen, denn die ersten Einblicke der Neuinszenierungen zeigen wirklich ein vielversprechendes Musical. Erste Szenenbilder wurden bereits auf der Matinee gezeigt und sie sehen wirklich spektakulär aus und zeigen, dass tolle Musicals eben nicht nur von Stage Entertainment, Mehr! oder den VBW kommen können. Ich drücke zur Premiere auf jeden Fall beide Daumen und sage Toi! Toi! Toi!

Weitere Informationen:

„Nostradamus“ am Tiroler Landestheater
Informationen unter:
www.landestheater.at

Tickets online oder unter
kassa@landestheater.at

Tel: (+43) 0512/52074.4
Erreichbar: Mo-Fr 10:00- 19:00; Sa 10:00 – 18.30
Abendkassa jeweils 30 min vor Beginn der Vorstellung

Premiere: 17.12.2017

Besetzung:

Musikalische Leitung Hansjörg Sofka

Regie Johannes Reitmeier

Choreographie Enrique Gasa Valga

Bühne & Kostüme Michael D. Zimmermann

 

Nostradamus Uwe Kröger

Katharina von Medici Astrid Vosberg

Jules Scaliger Dale Albright

Inquisitor von Lyon Johannes Wimmer

König Heinrich II. Florian Stern / Daniel Raschinsky

Henriette Marie, Nostradamus´ Frau Adrienn Čunka

Nostradamus´ zweite Frau Adrienn Čunka

Gianna, Kammerzofe Diana Selma Krauss

Diane de Poitiers Renate Fankhauser

Graf Montgomery Lukas Thurnwalder

César, Nostradamus´ Sohn Lukas Thurnwalder

Drei Mönche Michael Gann / William Tyler Clark / Jannis Dervenis

Zwei Kinder N. N.

Leibarzt N. N.

Haushofmeister N. N.

 

Tiroler Symphonieorchester Innsbruck

Chor des TLT

Statisterie des TLT

Titelbild: Bühnenmodell Nostradamus von Michael D. Zimmermann. Foto: Kulturkiwi

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