Bericht, Pausenfüller

Ein neues Wunderkind für Wien -Alma Deutscher

Was habt ihr als Kind in den Weihnachtsferien gemacht? Die einen sind vielleicht Ski fahren gegangen. Die anderen genießen die Zeit mit der Familie. Und wiederum andere probieren ihre neuen Weihnachtsgeschenke aus. Auch Alma Deutscher hatte jetzt über die Feiertage frei. Aber im Gegensatz zu anderen 11-jährigen Kindern war sie nicht auf der Piste unterwegs, sondern hat mal nebenbei die Uraufführung ihrer ersten eigenen Oper in Wien mit gestaltet. Denn Alma Deutscher ist höchst musikalisch – und seit Mozart wahrscheinlich endlich wieder eines der musikalischen Wunderkinder, dass die Wiener Klassikszene bereichert.

Geboren wurde Alma Deutscher 2005 in Oxford in Großbritannien. Die Liebe zur Musik bekam sie von ihren Eltern, einer Organistin und einem ausgebildeten Flötisten in die Wiege gelegt. Angeblich soll sie bereits im Alter von zwei Jahren die Töne auf dem Klavier unterschieden haben.
Fakt ist auf jeden Fall, dass Alma nicht nur sehr früh ihre musikalische Ausbildung beginnt, sondern auch selbst zu komponieren beginnt. Mit gerade einmal 6 Jahren schreibt sie eine erste Klaviersonate. Im Video ist eine Aufnahme von 2011 zu sehen, bei der das Mädchen ihr eigenes Werk präsentiert.  Im einem Interview sagt die heute 11-jährige, dass ihre Melodien im Traum zu ihr kommen. „Manchmal finde ich eine Melodie mitten in der Nacht. Dann wache ich auf, krieche aus meinem Bett und schreibe sie in meinen Notizblock“, so gegenüber der Braunschweiger Zeitung.

Weitere Kompositionen, besonders für Violine und Klavier folgten. Dass Deutscher sich dabei stilistisch an anderen klassischen Komponisten ist unüberhörbar. Ein bisschen Schumann, ein bisschen Mendelssohn und auch Mozart färben ihre Kompositionen ein. Trotzdem tastet sich das kleine Musik-Genie an einen eigenen Stil heran. Dass für hochbegabte Kinder einmal die Woche Klavierunterricht an der Musikschule nicht reicht, erkannten auch schon bald ihre Eltern. Sie fördern aber fordern auch Alma so gut es geht.
So konnte die Kleine schon mit internationalen Künstlern und großen Orchestern zusammenarbeiten.
Es führte das Israel Philharmonic Orchestra auch ihr Werk „Dance of the solent Mermaids“ (Tanz der einsamen Meerjungfrauen) auf. Wer als Laie ohne große Kenntnisse in die Komposition hinein hört, kommt wahrscheinlich nicht drauf, dass ein kleines 9-jähriges Mädchen das Stück verfasst hat.

 

Eine neue Oper für Wien

Mittlerweile hat sich Alma nicht nur auf Musikstücke beschränkt, sondern sich auch der szenischen Gestaltung zugewendet. Nachdem sie bereits eine zwölfminütige Mini-Oper im Alter von 7 Jahren verfasste, konnte nun in Wien ihr erstes großes Stück uraufgeführt werden.

„Cinderella“ feierte am 29.Dezember mit dem Oh!Pera- Operntheater seine Premiere. Doch Deutscher fand die Geschichte rund um Aschenputtels verlorenen Glasschuh schlichtweg zu langweilig und oberflächlich. Dass ausgerechnet ein Schuh und nicht Talent über die Zukunft entscheide passe nicht. Und so schrieb das Mädchen auch noch 20 neue Szenen und die Geschichte von Cinderella um:
Cinderellas Stiefmutter ist nun Intendantin eines Opernhauses. Ihre beiden Stiefschwestern sind dümmliche Operndiven. Cinderella selbst ist eine unscheinbare Frau, die dafür liebend gerne selbst komponiert. Der Prinz ist ein erfolgreicher Poet, der herausfinden will, wer eines seiner Gedichte so traumhaft intoniert hat. Der letzte Vers seines Liedes ist schließlich der Schlüssel zu Cinderellas Glück.
Alma Deutscher begleitete die Proben in Wien und ließ sich es auch nicht nehmen, selbst auf der Bühne zu stehen. Als Violonistin begleitete sie ihr Alter Ego Cinderella (Theresa Krügl) bei der Inszenierung. Die Kritiker waren von der simplen, aber liebevollen Inszenierung sehr beeindruckt. Seit Mozart sei Alma die erste Komponistin, die als Kind eine Oper in Wien aufgeführt habe.

Kein neuer Mozart

Den Vergleich mit Mozart findet Alma mittlerweile ziemlich nervtötend. Gegenüber der BBC sowie anderen Medien lehnt sie Vergleiche mit dem Österreichischen Komponisten vehement ab. „Ich bin eine kleine Alma, kein kleiner Mozart“, wiederholt sie immer wieder den Medien gegenüber. Und darauf hat die Kleine auch ihr Recht. Auch wenn sie sich stilistisch von den „Großen“ der klassischen Musik inspirieren lässt, sind es ihre eigenen Melodien, die sie zu Papier bringt und aufführt. Manchmal ist es eben nicht so einfach, als neues Genie sich einen Namen zu machen.

Was Alma und Mozart durchaus gemein haben, ist dass sie durch Förderer und ihre Familien gepusht werden. War es bei Amadeus Mozart der eigene Vater, der seinen Wunderknaben groß heraus brachte, so sind es auch Almas Eltern und besonders Almas Vater, die die junge Karriere stetig voran treiben.
Medial ist Alma Deutscher gut aufgestellt, eine eigene Presseagentin, eigene Homepage, Social Media Auftritte auf Facebook, Twitter und Youtube. Bei Interview-Terminen tritt das Mädchen stets alleine auf und gibt selbstbewusst Rede und Antwort. Alma setzt ihre Werke in Szene und wird selbst in Szene gesetzt. Fernsehauftritte wie zuletzt bei Carmen Nebel im Deutschen Fernsehen meistert sie ohne jegliche Scheu. Ihre Statements wirken sorgfältig ausgewählt und fast schon einstudiert. Es wird nichts dem Zufall überlassen.
Klickt man auf ihrem YouTube-Channel begrüßt ein freundliches Mädchen per Video-Botschaft die Zuschauer, lädt dazu ein doch auch Abonnent zu werden. Erst ein leichtes Kichern am Ende zeigt, dass Alma eben nicht nur großartige Komponistin – sondern eben in erster Linie auch noch ein Kind ist.

Und darin liegt wahrscheinlich ihre Schwierigkeit, aber auch der große Quell vieler Inspirationen. Mit kindlicher Leichtigkeit denkt sie sich neue Geschichten aus und wandelt eben diese in Melodien um. Auf der anderen Seite müssen ihre Auftritte – schon allein zu ihrem Schutz – mit erwachsener Professionalität überwunden werden. Der Grat zwischen Genie und Kind ist schmal. Und dass Alma die Musik liebt, zeigt sie immer wieder, wenn sie dann doch verträumt am Klavier sitzt.
Moderne Musik ist ihr übrigens ein Graus, wie sie sagt.

Nun denn: Schöne musikalische Träume, Alma!

 

alma-deutscher
Foto: AP

Titelbild: DPA/APA

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