Rezension: vollD-APP im Innsbrucker Kellertheater (30.1.2017)

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Wenn ihr über Smartphone oder Tablet meine Berichte durchlest, gehört ihr wahrscheinlich zu dem Bevölkerungsteil, der sich mehr mit der digitalen Welt auseinandergesetzt hat. Mittlerweile ist ja jeder zweite Kühlschrank mitteilungsfreudiger als der Ehemann und das Kuscheltier von heute hat seinen eigenen Instagram-Account.

Wer nicht als „Digital Native“ mit der Technik von morgen aufgewachsen ist, kann sich da schon mal schwer tun mit den unbegrenzten Unmöglichkeiten der digitalen Revolution. Und genau da hängt das neue Kabarettprogramm von Daniel Lenz im Kellertheater ein.

Wie haben wir es nur Jahrhunderte ohne Technik ausgehalten? Wie konnte Gott überhaupt die Erde erschaffen ohne Apps? Was kann Barbie über Papas Kreditkarte verraten und warum zur Hölle, spielen die Fußgängerzonen-Indios eigentlich immer noch auf einer analogen Panflöte, statt sich der breiten Technik der Tablets zu bedienen? An diesem Abend ist das Benutzen von Smartphone, Tablet und Co erlaubt und sogar erwünscht, wie die reizende Stimme von Siri dem Publikum am Anfang mitteilt.

Daniel Lenz zeigt mit viel Körpereinsatz, Mimik und Ideen auf den mittlerweile fast schon wahnsinnigen Alltag zwischen digitalen Medien und unmöglicher analoger Realität. Mit viel Liebe hat er ein Programm gestaltet, dass in all den technischen Irrungen und Wirrungen zeigt: Der Depp sitzt meist vor der App.
Dabei begleitet wird er von technischen Assistenten, wie etwa der reizenden Siri von Apple oder einem übermotivierten Fitnessprogramm, dass immer wieder Liegestützen vom Kabarettisten fordert. Lenz hat sich mit der Interaktion zwischen Siri und anderen Sprachsystemen einiges einfallen lassen und nutzt die ganze Bandbreite – gesteuert von einem Smartphone und einem Tablett.

Das Konzept bietet großartige  Möglichkeiten, der knapp zweistündige Abend wurde dann doch zu einer teils zähen Geschichte.
Viele der Ideen sind wirklich gut gemacht und umgesetzt, doch leider verfällt Lenz vom satirisch-kritischen Humor immer wieder in einfachen Slapstick. Das kam nicht immer gut an.
Generell war das Publikum an meiner besuchten Vorstellung extrem hölzern. Das ließ Lenz nicht davon ab, das ganze sehr professionell und mit Humor zu nehmen.
Dennoch würde eine Straffung dem Programm sicherlich gut tun und die Atmosphäre lockern.
Die musikalischen Einlagen ziehen sich teilweise, manchmal sind sie völlig unpassend. So mimt Lenz z.B. einmal einen Tiroler Zuschauer, der seine Meinung über WhatsApp auslässt und einige Lacher bereit hielt. Doch plötzlich meint Lenz, in dieser Rolle eine italienische Arie in Sopran singen zu müssen. Der spritzige Monolog wurde dadurch leider abgebrochen und auch die Stimmung wieder runtergefahren. Denn thematisch hat diese Gesangseinlage nichts zum Abend beigetragen.

Ich kenne leider nicht die anderen Programme von Lenz. Mimisch und bühnenmäßig liefert er eine solide Leistung ab, einige Ideen sind sehr kreativ. Bei einem Thema wie die digitale Vielfalt ist es natürlich auch schwer, ein Zielpublikum zu definieren. Die jüngeren kennen viele Gadgets einfach schon, die wesentlich älteren sind mit den Fachbegriffen schlichtweg überfordert, die mittlere Generation kam teils mit dem wirklich komplett unterschiedlichen Humorrichtungen nicht klar.

vollD-APP ist auf jeden Fall ein netter Abend mit vielen kleinen Überraschungen und Einfällen  – ein Update der Betaversion im TheaterStore um die letzten Bugs zu beseitigen wäre wünschenswert. 😉

Weitere Infos:

www.kellertheater.at
Online-Reservierung: HIER

Telefonisch unter: 0512/ 580 743 (Anrufbeantworter, Reservierung wird nicht bestätigt, oder immer eine Stunde vor der Vorstellung)

Preise: 18 €/ ermäßigt 14 € freie Platzwahl
Karten können erst eine Stunde vor Termin abgeholt und gezahlt werden, Reservierung mittels Post-It-Zetteln, 15 min vor der Vorstellung werden reservierte Karten storniert.

Weitere Termine:
02.02.; 06.02., 13.02, 16.02. ; 20.02; 23.02; 26.02; 28.02

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