Viel Zirkusrummel um Nichts – The Greatest Showman On Earth

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Ich liebe Musicals, ich liebe Zirkus! Oh und ich liebe Hugh Jackman und ich liebe Zac Efron. Wenn diese vier Komponenten aufeinandertreffen, da kann doch nichts schiefgehen, oder? Naja, leider eine ganze Menge….

Ich habe es endlich geschafft und mir „The Greatest Showman“ angesehen. Mit sehr viel Lob und Begeisterung ist der Film ja geteilt worden und auch mir hat so mancher ans Herz gelegt, doch mal die filmische Manege von P. T. Barnum und seinen Kuriositäten zu betreten. Tja, ich hätte gern mein Geld zurück. Aber mal von Anfang an:

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Philipp Carlyle und P.T. Barnum stoßen auf die Zukunft an. Foto: 20th Century Fox

P.T. Barnum kommt aus bescheidenen Verhältnissen, will aber seiner Jugendliebe und späteren Frau Charity, sowie seinen beiden Töchtern ein erfülltes Leben ermöglichen. Nachdem er seinen Job verliert, kauft er in New York ein altes Kuriositätenkabinett. Die Leute interessiert das allerdings wenig. Nachdem Barnum nach „lebendigen Kuriositäten“ sucht, kommt bald ein Trupp aus Artisten und Menschen mit besonderen Äußerlichkeiten, wie Lettie Lutz, eine bärtige Frau oder Charles Stratton, ein zwergwüchsiger Künstler. Obwohl durch Zeitungen zerissen erfreut sich die Show größter Beliebtheit. Um auch in höheren Kreisen Erfolg zu haben, heuert Barnum Phillip Carlyle an. Der junge Mann aus wohlhabenden Haus schafft es mit seinen Beziehungen den Zirkus an den britischen Hof zu Queen Victoria einzuladen. Die Queen ist begeistert von Barnums Künstlern. Am Hof lernt Barnum die schwedische Sängerin Jenny Lind kennen. Noch bevor er sie überhaupt singen gehört hat, lädt er die Opernsängerin nach Amerika ein. Als „schwedische Nachtigall“ wird Lind ein Star der Show und öffnet Barnum Türen zur Oberschicht.
Barnum vernachlässigt etwas seine eigentliche Stammtruppe und sorgt für eine Tour mit Jenny Lind durch das Land. Während der Tour müssen Barnums Frau Charity und die Kinder zu Hause bleiben. Jenny Lind verliebt sich in Barnum und macht Annäherungen, die auch die Presse nicht mitbekommt. Barnum weist Jenny Lind allerdings ab. Die gedemütigte Sängerin bricht die Tour ab und bringt damit den Zirkus in eine bedrohliche finanzielle Schieflage. Als in New York nach Unruhen zwischen den Artisten und einer Menschenmeute das Theater abbrennen lassen, steht Barnum vor dem Ruin.

So weit so gut zur Handlung. Regisseur Michael Gracey hat eine nicht uninteressante Geschichte, die auf biographischen Tatsachen des wirklichen P.T. Barnum beruhen als Musical verfilmt. Mit Hugh Jackman und Zac Efron in den beiden Hauptrollen hat der Regisseur auch gute und überzeugende Darsteller gefunden, die gut auf die Figuren passen.
Unter anderem wurde der Film für drei Golden Globes nominiert und gewann mit dem Hit „This is Me“ eine der begehrten Trophäen. Das sind durchaus Indikatoren für einen Oscar.

Mitreißende Musik und falsche Operndiven

Die Musik ist tatsächlich eines der Herzstücke des Films. Schon allein der Auftakt beginnt mit Stampfen und Beats, was den Zuschauer mitreißt. Die einzelnen Songs nehmen mit und gehen ins Herz. Trotzdem ist nicht viel Inhalt in den diversen Liedern. Als angenehm finde ich, dass nicht jede Filmminute musikalisch dramatisiert wurde. Das tut dem Film sichtlich gut, damit er nicht so ein überkitschiges Epos wie „La-La-Land“ wird.

Zum Niederknien ist Keala Settle! Als bärtige Sängerin hat sie ein Stimmvolumen, dass jeden an die Wand drückt und auch der Titelsong „This is Me“ ist von ihr einzigartig gut interpretiert. Ich mag ihre Power und ihren Ausdruck, den sie nicht erst spielen muss, sondern schon allein durch ihr Auftreten durch den Kinosaal fegt. Und sie singt locker die „schwedische Nachtigall“ an die Wand. Und genau DAS ist es, was diesen Film für mich zu einer ziemlich dämlichen Farce macht.

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Großartig gesungen und gespielt: Keala Settle als Lettie Lutz Foto: 20th Century Fox

 

Rebecca Ferguson spielt die mysteriöse Jenny Lind. Ihr Gesang wurde von Loren Allred, da die Schauspielerin selbst leider nicht gut singen kann. Und tatsächlich, die durchtriebene und hinterhältige divenhafte Figur nimmt man der schwedischen Schauspielerin absolut ab. Doch gerade das, was ja Barnum und das Publikum in den Bann zieht fehlt: Die Stimme.
Jenny Lind ist in dieser Darbietung schlecht. Um nicht zu sagen: MI – SER – ABEL!!! Die Stimme hat keine Power, kein Volumen, das ganze ist dazu noch ins unerträgliche gepitcht.
Ich habe keine großen Ansprüche, was Realitätsnähe bei Filmen betrifft. Aber wer sich ein bisschen einliest in die Thematik, weiß, dass Jenny Lind eine der größten Sängerinnen ihrer Zeit war! Sie inspirierte Hans Christian Andersen zu seinen Märchen „Die Nachtigall“, „Die kleine Meerjungfrau“ und „Das hässliche Entlein“.
Lind war das Vorbild für das schwedische Chormädchen Christine Daaé im Phantom der Oper.

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Optisch beeindruckend: Rebecca Ferguson als Jenny Lind: Foto: 20th Century Fox

Und dann soll Ferguson mit einer ziemlich billigen Popballade ihr gerecht werden? Von mir aus kann auch eine Operndiva in einem Musical etwas poppiges und rockiges singen. Aber dieses Lied hatte nicht einmal irgendeine Höhe, die einer Sopranistin gerecht wird. Und damit hat der gesamte Film eigentlich auch keine Konsistenz mehr, weil jede Handlung mit und um Jenny Lind nicht mehr ernst genommen werden kann. Dass die Truppe da das Theater abfackelt, kann nachvollzogen werden.

Generell fehlt es dem Film leider an vielen Spannungsmomenten, die simpel hätten eingebaut werden. Etwa die doch ziemlich unterkühlte Beziehung zwischen Barnum und Charity, oder der Liebesgeschichte zwischen Carlyle und einer Trapezkünstlerin.

So bleiben wirklich schöne Lieder in einer schlechten Handlung mit einer fehlinterpretierten Opernsängerin das Einzige, was von diesem Zirkus im Gedächtnis bleibt.
Der Film ist leider nicht das Popcorn wert, dass man dafür gekauft hat.

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