Der größte Showman der Welt und sein Leben – Teil 1

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Nachdem ich sehr interessante Leserkommentare zu meiner Rezension zu „The Greatest Showman on Earth“ erhalten habe, erst einmal Dankeschön!
Natürlich will ich nicht nur motzen, sondern auch etwas klotzen und präsentiere euch heute mal ein bisschen Hintergrundwissen.
Wie bereits erwähnt, beruht der Film auf wahren Begebenheiten. Dass „wahre Begebenheiten“ in Hollywood ein sehr gedehnter Begriff sein kann, ist nichts Neues. Da die Figuren an sich aber so interessant sind, habe ich beschlossen, in einem Zwei-Teiler mal ein paar Figuren aufzugreifen und euch vorzustellen.
Viel Spaß

P.T Barnum

Schon alleine das Leben von P.T. Barnum wäre definitiv mehr als ein Musical wert. Phineas Taylor Barnum wurde am 5. Juli 1810 in Bethel, Connecticut geboren. Anders als im Film, war seine Familie bereits relativ wohlhabend, bürgerlich und aus der Mittelschicht stammend. Barnum hatte ein Händchen fürs Geschäft, weniger für Handwerk. So besaß er mit Anfang 20 bereits eine Lotterie und hatte eine Zeitung gegründet, die sich gut verkaufte.

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1829 heiratete er mit 19 Jahren Charity Hallet. Die beiden bekamen gemeinsam 4 Töchter. Obwohl Barnum jung geheiratet hatte, sprach er sich zeitlebens gegen frühe Ehen aus.
Für Sensationen und Kuriositäten war Barnum stets zu haben. 1845 stellte er in New York eine alte gelähmte Sklavin zur Schau. Joice Heth wurde der Welt als ehemalige Nanny von George Washington präsentiert und sollte 161 Jahre alt sein. Obwohl Sklaverei  zu dem Zeitpunkt in New York bereits verboten war, fand Barnum eine Gesetzeslücke, die es ihm ermöglichte, Heth von ihrem Besitzer zu „mieten“. Bis zu 12 Stunden musste die Frau vor zahlendem Publikum sitzen, während Barnum die abstrusesten Dinge über ihre angebliche Zeit bei Washington erzählte. Als sie schließlich starb, ließ ihren Körper öffentlich sezieren. Für 50 Cent durften Schaulustige bei der Obduktion zusehen und rund 4000 Schaulustige nahmen das Angebot wahr. Als das Publikum unruhig wurde, weil sie feststellten, dass die tote Frau nie im Leben über 160 Jahre alt sein konnte, erklärte Barnum kurzerhand, dass die Leiche einer anderen Sklavin aufgeschnitten worden war. Heth sei auf einer erfolgreichen Tour in Europa. Erst Jahre später bekannte er sich zum Hoax und berichtigte, das Heth nur etwa 80 Jahre alt gewesen sein müsste. Ihre Überreste seien „ordentlich bestattet worden“, wie er bekundete.
1840 kaufte er, nachdem er durch eine Finanzkrise stark angeschlagen war, ein Wachsmuseum in New York und benannte es in „Barnum’s American Museum“ um. Er stellte Menschen mit Behinderungen, besonderen Talenten, aber auch einfache Ureinwohner der zahlenden Bevölkerung zur Schau. Er war der erste Mensch, der am Broadway sein Theater auch nachts beleuchtete und Heißluftballonfahrten vom Dach des Gebäudes aus anbot.
Barnum kaufte weitere Museen und Ausstellungen in den USA auf und begrüßte bald über 400.000 Besucher im Jahr in seinen Shows.  Auch auf seiner drei-jährigen Europa-Tournee mit dem Zwergenkünstler „Tom Thumb“ kaufte er diverse Einzelstücke und investierte in Showpaläste. Er war drauf und dran, Shakespeares Geburtshaus zu kaufen.

Unter anderem unterhielt er auch eine Menagerie an Tieren, darunter exotische Tiere wie Elefanten, Giraffen und sogar einem Wal. Mit Feuer hatte Barnum tatsächlich Pech. Vier Mal brannte eines seiner Theater oder Häuser nieder, darunter auch die Menagerie. Zahlreiche Tiere kamen in den Flammen ums Leben.
1850 ging Barnum trotz seiner mehreren Millionen, die er angesammelt hatte, tatsächlich bankrott. Er investierte in ein schlecht laufendes Unternehmen mit fast seinem gesamten Geld und verlor nahezu alles. Unter anderem half ihm dann sein Künstlerkollege Tom Thumb aus der Misere.

Zum Zirkus kam er erst in seinen 60er Jahren. Barnum entschied sich, sein Kuriositätenkabinett auf Reisen zu schicken, um damit noch mehr Menschen im Land zu unterhalten. Mit seiner öffentlichen Freak-Show begeisterte er Millionen Menschen in den Staaten und führte sie gerne hinters Licht. Er machte nie einen Hehl daraus, dass es ihm nicht wirklich um Authentizität ging, sondern darum, ob das Publikum sich unterhalten fühlte. Auch wenn die Presse regelmäßig seine Show verriss blieb er erfolgreich. Barnums Zirkus war der erste Zirkus, der mit einem Zug durch die USA reiste und spezielle Waggons für Künstler und Tiere mit sich führte. Mit dem Zirkus lernte Barnum dann auch James Bailey kennen. Bailey war ein Geschäftsmann und Lebegeist wie Barnum und übernahm nach dessen Tod seine Geschäfte. Er nannte den Zirkus in „Barnum& Baileys“ um und gründete damit die Ära der Wanderzirkusse, die bis weit ins 20. Jahrhundert und bis heute ihre Spuren hinterlassen haben.

Charity Barnum starb 1875 nach 44 Ehejahren. Nur ein Jahr später heiratete Barnum die 24-jährige Nancy Fish. Barnum selbst starb 7. April 1881 an den Folgen eines Schlaganfalls.
Barnum wusste zeitlebens, wie man Menschen begeistert, als auch gute PR zu machen. Ebenso war er in der Politik und Bildungspolitik sehr engagiert. Anders als im Film war Barnum übrigens strikter Anti-Alkoholiker und setzte sich für ein generelles Alkoholverbot in den USA ein.

 

Jenny Lind

„Die schwedische Nachtigall“ hat ebenso wirklich existiert. Wie Barnum gehörte Lind in Europa zu den Stars des 19. Jahrhunderts. Lind wurde am 6. Oktober 1820 als uneheliche Tochter eines Buchhalters und einer verheirateten Frau in Stockholm geboren. Sie lebte ihre Kindheit in ärmlichen Verhältnissen und wurde nur per Zufall von einer Angestellten der Royal Swedish Opera singen gehört. Diese überzeugte ihre Chefin, die Prima Ballerina Lundberg sie zu fördern. Im Alter von neun Jahren wurde Lind bei der Schauspielschule des Royal Dramatic Theatre in Stockholm aufgenommen. Mit nur 17 Jahren gab sie ihr Debut in Carl Maria von Webers „Freischütz“ und begeisterte das Publikum sowie die Kritiken auf Anhieb.

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Sie lernte bald darauf den Komponisten Carl Meyerbeer kennen, der alle daran setzte, sie an die Pariser Oper zu holen. Doch Lind wurde das Vorsingen 1842 verweigert. Zeitlebens war Lind darüber so frustriert, dass sie später in ihrer Karriere jedes Angebot der Pariser Oper verweigerte.
Linds Auftreten und Stimme begeisterte viele Menschen in ganz Europa und sie konnte isch vor Verehrern kaum retten. 1843 reiste die 23-jährige nach Dänemark um dort in Kopenhagen aufzutreten. Sie lernte den dänischen Märchenschreiber Hans Christian Andersen kennen. Andersen war gefesselt von ihrer Art, Schönheit und Stimme und verliebte sich Hals über Kopf in sie. Es folgte ein Briefwechsel. Andersen war extremst schüchtern und konnte seine Avancen nicht offen zeigen. Als Lind Dänemark mit dem Zug verließ, übergab er ihr am Bahnsteig einen Brief mit seinem Heiratsantrag.
Lind inspirierte ihn zur Geschichte „Die Nachtigall“, angeblich sollen auch „Die kleine Meerjungfrau“ und „das hässliche Entlein“ von ihr inspiriert worden sein.
Lind hegte leider nicht die gleichen Gefühle für ihn und sah in Andersen eher einen Bruder.
Ein Freund Anderses sagte später, dass Linds Abweisung ihn dann zur Schneekönigen inspiriert habe.
Später wird eine romantische Phase mit Frederic Chopin nachgesagt. Der Komponist faszinierte die Sopranistin und sie setzte alles dran, ihm zu gefallen, doch die Avancen wurden nicht erwidert.
Man weiß nicht den genauen Grund, doch kurz nach Ende der romantischen Beziehung, die durch viele Briefe belegt sind, gab Lind mit Ende 20 ihren Abschied von den Opernbühnen Europas bekannt. Sie wollte sich fortan nur noch auf Konzerte und kleinere Rahmen konzentrieren.

Die Jenny- Lind Tour in den USA
Jenny Lind, die 1849 bereits als „schwedische Nachtigall“ in aller Munde war lernte auf einem ihrer Konzerte den amerikanischen Showman P.T. Barnum kennen, der gerade durch Europa tourte. Barnum erkannte Linds Talent sofort und bat die Sängerin, ihn in die USA zu folgen. Er wollte sie auch jenseits des Atlantiks berühmt machen. In den USA hatten noch kaum Menschen von der Opernsängerin gehört. Dementsprechend war es die Chance für Lind auch dort eine Karriere zu machen. Lind verpflichtete sich, gemeinsam mit dem Bariton Giovanni Belletti und dem Pianisten Julius Benedict zu einer US- Tour quer durchs Land. Barnum war bereit, ihr dafür 1000 Dollar pro Nacht zu zahlen, ebenso Belletti und dem Pianisten jeweils 25.000 bzw. 12.500 Dollar. Das war eine gewaltige Summe.

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Lind sagte schließlich zu. Noch bevor sie in Liverpool den Dampfer nach Amerika bestieg, gab sie ein riesiges Abschiedskonzert.
Am 1. September 1850 betrat Jenny Lind amerikanischen Boden in New York. Barnum hat unterdessen kräftig die Werbetrommel gerührt. Rund 30.000 Zuschauer jubelten der Sängerin von den Docks aus zu. Lind bemerkte schnell, dass Barnum sehr erfolgreich war und verhandelte ihre Gage erneut. Sie erhielt nun zusätzlich 1000 Dollar zu jedem Konzert, dass sie in Amerika gab.

Die Tour war sehr erfolgreich, auch wenn das Publikum teils so in Rage war, dass es Lind bedrängte und Steine auf ihre Kutsche warf, um die Aufmerksamkeit der Sängerin zu bekommen. Gemeinsam mit einem 35-köpfigen Orchester gab die Sängerin ein Repertoire aus ihrer Opernzeit, sowie einige schwedische Lieder zum Besten. Eine Liebesgeschichte, wie es der Film suggeriert, gab es allerdings nicht zwischen den Beiden.
Nachdem Barnum immer mehr Termine auf den Tourplan setzte entschied sich Lind, im freundschaftlichen Sinn die Partnerschaft mit Barnum aufzulösen. Sie wollte die restlichen Konzerte alleine beenden, ohne auf sein Management zu vertrauen.
Nachdem ihr Pianist ein Angebot aus London erhalten hat, kommt der deutsche Klavierspieler Otto Goldschmidt in die USA, um die Tour gemeinsam mit Lind zu beenden. Lind kannte den Pianisten bereits von früher. 1852 heiraten die beiden kurz vor Ende der Tour und kehren gemeinsam nach Europa zurück.

Die Tour spielte für Barnum rund 500.000 Dollar ein, Jenny Linds Einnahmen werden auf rund 350.000 Dollar geschätzt.  Damit hat sich Barnums Einsatz in die Sängerin mehr als gelohnt.
Linds Verdienst wäre heute fast 9 Millionen Dollar wert. Fast das gesamte Geld setzte Jenny Lind für wohltätige Zwecke ein. Denn trotz ihres Erfolgs war sich Lind stets ihrer armen Herkunft bewusst. Sie baute Schulen mit auf, setzte sich für Bildung in armen Verhältnissen ein, unterstützte Waisenhäuser, Krankenhäuser und Spitäler und engagierte sich dafür, dass auch Menschen aus ärmlichen Verhältnissen einen Zugang zu musischer Bildung erhielten.
In den USA wurden zahlreiche Straßen und Plätze nach der Sängerin benannt.

Spätere Jahre

Nach der Tour lebte Jenny mit ihrem deutschen Ehemann einige Jahre Deutschland und später in London. Als Ehefrau gab Jenny Lind nur noch für Wohltätigkeitszwecke einige Konzerte und gab ansonsten private Gesangsstunden an der Royal Academy of Music in London. Sie gebar ihrem Ehemann drei Kinder, die allesamt musikalisch talentiert waren. Sie starb am 2. November 1887 in London im Alter von 67 Jahren.

Von Lind sind leider keine Tonaufnahmen erhalten, Thomas Edison begann gerade erst mit den ersten Versuchen Schall aufzunehmen, als Lind bereits eine ältere Dame war. Ihre Stimme wird allerdings als hell, kräftig und mit einem Umfang von zwei Oktaven beschrieben, wobei sie angeblich noch wesentlich weiter hinauf konnte und dies aus gesundheitlichen Gründen nicht tat.

Dies waren nun die zwei Hauptpersonen, im nächsten Teil will ich noch kurz auf fiktive wie reale Charaktere des Films eingehen.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ich habe den FIlm noch nciht gesehen und kenne nur den Trailer, aber gerade gefallen mir deine Ausführungen zum realen Hintergrund besser. ^^

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