Innsbruck wurde falconized! Falco- das Musical rockte den Congress

Tour-Musicals kämpfen mit dem Ruf eher ein Entertainment zweiter Klasse zu sein. Im Gegensatz zu En-Suite-Produktionen die monate- oder jahrelang im gleichen Theater mit bester Technik und Ausstattung aufgeführt werden können, müssen Tourproduktionen so effizient sein, dass sie binnen eines Abends auf und abgebaut werden können. Hinzu kommt, dass nicht jede Stadthalle die gleichen Möglichkeiten bieten kann.
Der Veranstalter COFO Entertainment hat sich direkt auf Tourneeveranstalter darauf spezialisiert, berühmte Persönlichkeiten oder Bands in Musicals wieder zum Leben zum erwecken und nennt diese Art „Musical – Biographien“. Anlässlich des 60. Geburtstag der österreichischen Musiklegende Falco wurde 2017 „Falco-das Musical“ uraufgeführt.

 

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Foto: Karin Haselsteiner

Coming Home

Johannes „Hans“ Hölzl aka Falco hat die österreichische Musikwelt nachhaltig geprägt. Das bewegte Leben und der tragische Tod des Sängers haben aus ihm eine Legende gemacht. Wenn man also als deutscher Produzent gerade in Österreich eine Figur auf der Bühne wieder zum Leben erwecken will, ist das eine heikle Angelegenheit. Am 1. März machte „Falco- das Musical“ Halt im Congress in Innsbruck. Der Saal Tirol war nahezu ausverkauft und hier merkt man auch, mit was ein Tour-Musical zu kämpfen hat, denn die Bühne war ziemlich beengt, so dass es teilweise ein bisschen kuschlig wurde.
Das Bühnenbild besteht im Allgemeinen aus zwei verschiebbaren Leinwänden, auf die diverse Bilder, sowie Videoeinspieler projeziert werden. Hinter den Leinwänden spielt die Band, die immer wieder ins Stück miteinbezogen wird. Ansonsten spielt sich das Geschehen auf zwei ebenfalls verschiebbaren Showtreppen und anderen Bühnenelementen ab. Mit viel Einsatz von modernen Sound- und Lichteffekten wurde dabei nicht an der Technik gespart.

 

Rock me Amadeus

Wie bringt man nun eigentlich einen Popstar auf die Bühne, ohne dass es kitschig, trivial oder aufgesetzt wird? Indem man einfach beginnt, eine Geschichte zu erzählen und damit auch die Figur, trotz realer Ansprüche, nichts weiter als  Fiktion ist.
Die Geschichte rund um Falco wird von seinem ehemaligen – im Stück namenlosen – Manager erzählt. Mal als Erzähler, mal als Teil der Handlung wird episodenhaft die Karriere Falcos nachgezeichnet. Doch nicht nur Falcos Leben wird immer wieder beleuchtet, sondern auch seine inneren Konflikte werden personifiziert: Da ist einmal die gefühlvolle, verletzliche Seite, die sich nach Liebe, Geborgenheit und Anerkennung sehnt in Form von Jeanny. Doch auch sein Streben nach Erfolg, Lust, Spaß, Gier und einem Leben auf der Überholspur zeigt sich im Form der dunklen Ana Conda. Die beiden Frauen kämpfen immer wieder um die Hauptfigur und zeigen so die Zerissenheit Falcos an der er letzten Endes auch zerbricht. Einen wirklichen Sieger gibt es nicht.

 

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Foto: Dominik Gruss

Das gut dreistündige Musicals wird ausschließlich mit Falcos größten Hits besungen und erzählt. Neben Klassikern wie „Rock me Amadeus“ oder „Jeanny“ sind aber auch Songs dabei, welche die jüngeren Generationen nicht unbedingt kennen muss. Die vier Hauptfiguren werden durch ein Tanzensemble unterstützt, welches jede Szene und viele Kostümwechsel richtig aufpeppt. Musik, Licht und Ton sind gut abgemischt, so dass es auch sehr nah an der Bühne zwar laut, aber niemals zu laut war. Falcos Leben war von Höhen und Tiefen bewegt und das ist auch das Musicals. So folgen besonders im ersten Teil viele seiner größten Hits aufeinander und bringen dass doch eher träge Tiroler Publikum zum beben. Im zweiten Teil zieht sich die Handlung ein bisschen zum Ende, welches allerdings durch ein absolut gigantisches Finale abgerundet wird. An dieser Stelle sei gesagt: Liebe Leute, wenn ihr bereits nach dem ersten Schlussapplaus zur Garderobe rennt, verpasst ihr wirklich ein absolutes Highlight!

The Sound of Musik

Neben einem guten Tanzensemble, sind es besonders die Hauptdarsteller, welche im Stück nicht nur gesanglich glänzten, sondern der Show auch eine Seele geben.

 

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Stefan Wessel als Falco  Foto: Jens Ochmann

Als first Cast von Falco gilt eigentlich der Autor der Stücks Alexander Kerbst. In Innsbruck war allerdings Stefan Wessel am Zug. Optisch kommt Wessel nicht ganz so nah wie Kerbst an die Popikone ran. Doch davon abgesehen ist Wessel eine absolute Top-Besetzung. Stimmlich kommt der Wiener Sänger extrem nah ans Original heran. Ebenso schauspielerisch setzt Wessel aufs Detail. Jedes Zucken mit der Augenbraue, jede Handbewegung ist perfekt einstudiert und kopiert nicht nur den echten Falco, sondern hauch ihm neues Leben ein. Anfangs etwas hölzern findet Wessel sich gut in die Rolle ein und nimmt das Publikum mit. Spätestens beim Donauinselfest 93 hat man das Gefühl, live dabei gewesen zu sein, wenn Falco im strömenden Regen alles für die Musik gibt.

Um Falcos dunkle Seite buhlte Alice Wittmer als Ana Conda. Mit Charisma, Energie und einem sehr schönen bösen Lachen reißt Wittmer nicht nur Falco, sondern auch das Publikum mit sich. So funkte sie, sei es als Spiegelbild oder diabolische Stewardess immer wieder in Falcos Sehnsüchte und romantische Anbandelung an Jeanny. Mit Power in der Stimme überzeugte sie das Publikum und gerade die Songs und „Dance Mephisto“ und „Push! Push!“ waren super für sie ausgelegt. Ich hätte mir manchmal noch ein paar Szenen mehr für Ana Conda gewünscht, die im Vergleich zu Jeanny eher weniger auf der Bühne zu sehen war, dafür dann aber mit mehr Elan und Power.

Julia Fechter verkörperte mit Jeanny die zerbrechliche Seite, als auch den Wunsch nach Liebe Falcos. Dramaturgisch wurde Jeanny mehr in Szene gesetzt als Ana Conda, wohl auch um das bittersüße Ende mit Falcos Song „Jeanny“ zu unterstreichen. Stimmlich gut und souverän gespielt, holte sie aus ihrer Rolle das beste raus. Das ist bei der Inszenierung manchmal ein bisschen schwierig, da Jeanny oft eher blass und wie ein Traum wirkt. Gänsehaut gab es umso mehr beim Song „Jeanny“, in dem auch Wessel eindrucksvoll seine Akzente setzte.

Fritz Barth hatte als einzige Person eine Sprechrolle in dem Musical. Als Manager beobachtet und kommentiert er Falcos Eskapaden, greift aber ebenso aktiv ins Geschehen ein. Durch seine Augen erleben wir Falcos Welt, weshalb das Stück auch nicht nur aus Szenen sondern eben eine erzählte Geschichte widerspiegelt. Eine clevere Idee, um den Sänger nicht in ein zu exzentrisches Licht zu setzen.

 

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Alice Wittmer als Ana Conda, Tanz Ensemble Foto: Jens Ochmann

Einen wirklichen Tiefgang in der Handlung gibt es nicht. Auch die Charaktere sind nicht tieffassender, als unbedingt notwendig, bei Jeanny und Ana Conda ist das auch nicht möglich, da sie eben nur Personifizierungen von Wünschen, Träumen und Laster sind. Der Manager verleiht zwar mit seinen Erinnerungen einen persönlichen Bezug, bleibt aber oberflächlich. Stefan Wessel schafft es dafür zumindest für einige Stunden einen Teil von Falco wieder lebendig zu machen. Er interagiert mit dem Publikum, zeigt sich mal zerbrechlich und mal in der Musik gefangen und stellt damit ein überraschend vielschichtiges Bild von Falco da. Das zeigte sich auch an der ausgelassenen Meute, die in stehenden Ovationen nach Zugaben bettelte und diese auch bekam! An dieser Stelle sei gesagt: Es lohnt sich nicht, sofort zu den Garderoben zu rennen! Wenn der Saal mit leuchtenden Smartphone-Lampen zu „Europa“ mitsingt, hat man das Gefühl, dass man zumindest ein bisschen „falconized“ wurde.

Eine tolle Leistung lieferte auch die Band, die immer wieder in der Handlung mit einbezogen wurde und entweder hinter den Wänden oder auf der Bühne präsent alles gaben. Am Ende tobte der gesamte Saal und niemand war mehr auf den Stühlen zu halten. Und wer das als mit einem Musical über einen der größten Sänger Österreichs in Tirol schafft, hat durchaus eine tolle Leistung gebracht!

Falco – das Musical tourt noch bis Sommer in Deutschland und Österreich.

Ticktets und weitere Termine unter

www.falcomusical.com

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Foto: Jens Ochmann

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