Filmkritik: „Mary Poppins Rückkehr“ – Wiedersehen mit alten Freunden

Ich könnte ja jetzt irgendeinen Einstieg machen mit „Superkalifragelistikexpialigetisch“, aber das wäre zu pathetisch.
54 Jahre, nachdem das bezaubernde Kindermädchen Mary Poppins auf der Kinoleindwand Kinderzimmer aufräumte und durch Straßenbilder spazierte, hat Disney eine Fortsetzung  gezaubert. Herausgekommen ist ein sehr farbenfroher Film, allerdings ohne superkalifragelistischexpialigetische Momente.

 

Neue Musik und altes Konzept

An dieser Stelle eine kurze Warnung: SPOILER!!!

Regisseur Rob Marshall hat sich an ein heikles Projekt herangewagt. Denn nicht nur, dass die Fortsetzung eines Films mal gerade 54 Jahre überbrückt. Julia Andrews und Dick van Dyke prägten den ersten Film, der noch unter der Aufsicht von Walt Disney persönlich gedreht wurde. Dementsprechend hoch sind die Ansprüche von kleinen und großen Fans.

Zur Handlung: Es sind 20 Jahre vergangen, seitdem die Banks-Kinder Jane und Michael vom bezaubernden Kindermädchen Mary Poppins betreut wurden. Mittlerweile ist Michael Banks Vater von drei Kindern und verwitwet, Jane kommt ganz nach ihrer Mutter und setzt sich für die Gewerkschaft ein. Es ist das Jahr 1930 und die Weltwirtschaftskrise hat London fest im Griff. Da Michael Banks vergessen hat, ein Darlehen zu bezahlen, droht die Pfändung des berühmten Hauses im Kirschbaumweg Nr. 17. Generell hängt Michael Banks viel in Gedanken nach, da er den Tod seiner Frau noch nicht verwunden hat. So sind es seine Kinder, John, Anabell und Georgie, die immer wieder versuchen, den Alltag ihres chaotischen Vaters zu managen.

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John, Anabel und Georgie sind die neuen Schützlinge von Mary Poppins. Foto: Disney Enterprises Inc. 

Als Michael eines Tages den Dachboden ausmistet, findet er auch den alten Drachen, den sein Vater einst für ihn repariert hat. Da er keinen Platz für Sentimentales hat, befördert er den Krempel vor die Tür. Doch ein Wind zieht auf und der Papierdrachen flattert zunächst durch die Straßen und den Park, wo Michaels Kinder gerade unterwegs sind. Der jüngste Sohn, Georgie, kann gerade noch die Drachenschnur halten und wird fast im Wind mitgerissen. Der Laternenanzünder Jack kann den Buben gerade noch festhalten. Umso größer ist die Überraschung, dass sich am anderen Ende der Drachenschnur plötzlich Mary Poppins befindet, die sanft wie immer auf der Erde landet. Das Kindermädchen hat beschlossen, erneut bei Jane und Michael nach dem Rechten zu sehen. Nach anfänglichen Protest der Kinder sind aber bald alle wieder in skurile und traumhafte Abenteuer verwickelt.

Die Geschichte der Banks-Kinder wird damit weiter gesponnen. Für den Film wurden zahlreiche neue Lieder geschrieben, die sich stilistisch gut an den Vorgänger anpassen. Dadurch wird kommt kein Bruch zustande und jeder, der Mary Poppins liebt, ist gleich wieder zu Hause.

Was allerdings auffällt, dass in Story, wie auch Liedern nichts neu erfunden wurde. Vom Besuch in einer Zeichentrickwelt, über den Abstecher bei einem seltsamen Verwandten von Mary Poppins und einer phänomenalen Tanzeinlage freundlich gesinnter Straßenlaternenanzünder zieht sich ein roter Faden durch die Story, der fast eins zu eins vom ersten Film übernommen wurde. Das nimmt der ganzen Geschichte leider viel Biss. Auch ein wirklicher Ohrwurm ist im neuen Meisterwerk leider nicht vorhanden. Dennoch können die Lieder mit Witz, Charme und auch Tiefgang überzeugen.

Stars und Sternchen im Kirschbaumweg Nr.17

Die Neubesetzung der Mary Poppins war ein heikles Thema. Denn Julie Andrews hat mit ihrer bezaubernden Stimme und ihrem Schauspiel bereits eine nahezu vollkommene Filmfigur erschaffen. Mit Emily Blunt wurde jedoch jemand gefunden, der in Andrews Fußstapfen treten kann. Eigentlich adaptiert sie die Rolle selbst neu, so dass man Blunt sehr schnell ins Herz gewinnt. Wunderschön ist, dass Mary Poppins ein bisschen arroganter und schnippischer ist, als im ersten Film. Damit geht Disney näher an die Buchfigur ran, was der Rolle sehr gut tut.

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Lin-Manuel Miranda ist der charmante Laternenanzünder Jack. Foto: Disney Enterprises Inc.

Der Laternenanzünder Jack ist quasi der Nachfolger von Schornsteinfeger Bert. Hierfür wurde kein geringerer als Lin-Manuel Miranda verpflichtet. Wenn er verschmitzt und verträumt mit seinen dunklen Augen über den Himmel Londons singt, gerät man schnell ins Schwärmen. Gekonnt ist er der Freund und Helfer der Kinder und Mary Poppins.

Doch auch andere Hollywood-Größen wurden für die neue Geschichte rund um Mary verpflichtet. Meryl Streep als schrullige Cousine spielt fantastisch, die Szene hätte man meiner Meinung nach aber etwas lebendiger machen können. Colin Firth als fieser Bänker ist immerhin mal ein etwas realer Gegner, der die Poppins-Welt nicht nur kunterbunt erscheinen lässt.
Für einen wirklichen Gänsehaut-Moment haben bei mir allerdings die Auftritte von

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Etwas gealtert, aber sonst noch ganz der Alte: Dick van Dyke ist das Highlight im Film. Foto: Disney Enterprises Inc. 

Angela Lansbury und Dick van Dyke gesorgt. Besonders van Dyke sorgte für eine Art „Nachhausekommen“ im Film. Er tritt zwar nicht als Schornsteinfeger Bert, sondern als der alte Bänker auf und sorgt doch für Staunen. Denn in dieser kurzen Szene singt der alte Schauspieler nicht nur, sondern er tanzt sogar und zwar komplett ohne Double, wie er in einem Interview erzählte!

Gesanglich sind die Stimmen toll und passen zu den Figuren. Auch in der Synchronfassung wurden gute Stimmen gewählt, auch wenn mir Mary Poppins persönlich etwas zu „dunkel“ klingt im Vergleich zu Julie Andrews.

Fazit:

Mary Poppins Rückkehr, oder „Mary Poppins Returns“, wie der Streifen im Original heißt ist ein sehenswerter, wunderschöner Film. Die Musik lässt sich wunderbar anhören, einen Ohrwurm findet man aber nicht. Auch die Geschichte ist nahezu komplett nach dem gleichen Schema des ersten Films aufgebaut. Trotzdem erwartet die Zuschauer gut zwei Stunden tolle Unterhaltung mit einer traumhaften Botschaft: Nehmt die Dinge nicht zu ernst!

2 Comments

  1. Xeniana

    Ich fand ja, dass der Film dem Musical sehr ähnelt, mehr dem Musical als dem Originalfilm.
    Ich muss ja gestehen, meine Idealbesetzung für einen Film wäre Elisabeth Hübert:) Herrlich schnippisch, witzig und originell.
    Emily Blunt fand ich auch sehr sehr gut. Bert, in diesem Fall Jack, kann supergut tanzen und singen. Vermutlich geht es mir oft anders als den meisten Mary Poppinskennern, die mit der Geschichte aufgewachsen sind. Ich bin Mary Poppins zum ersten Mal im Musical begegnet, auch die Besetzung von Bert fand ich in Hamburg fantastisch.
    Meryl Streep fand ich göttlich und hätte gern mehr von ihr gesehen. Was mir gut gefiel war die Darstellung der prekären Situation der Banksfamilie. Nach „Saving Mister Banks“, glaube ich, dass die Autorin eher diese Verhältnisse im Kirschbaumweg im Kopf hatte. Und wir wir, auch die Teenies fanden es toll, dass der Film wie ein alter Disney daherkam.

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