Tanz

Die Musik in Bewegung gemalt, mit Tanzen die Welt neu verstehen. Unter dieser Seite werdet ihr alles rund um Tanzaufführungen nachlesen können.

Tanzen und die Bühne

Wahrscheinlich tanzen die Menschen schon so lange, wie es die Musik gibt. Der Drang, sich zum Rhythmus zu bewegen steckt nicht nur in den Menschen. Auch unterschiedliche Tierarten, wie Papageien, Delfine und sogar Elefanten haben ein musikalisches Gefühl für Rhythmus und bewegen sich gegebenfalls zu einfachen Klängen. Meistens ist es der Schlag und der Takt, welche die Bewegungen vorgeben. Und auch die wohl ältesten Instrumente der Menschheit waren einfachste Rhythmus-Instrumente wie Trommeln.

Doch nur der Mensch will mit der Bewegung zur Musik auch wirklich Szenen oder Emotionen darstellen, der Mensch zeigt seine Kreativität in der Bewegung mit der Musik.
Bereits im Altertum war der Tanz in Gruppen ein wichtiges Element bei religiösen Zeremonien und Festen. Die Choreographien sollten den Göttern huldigen, aber auch Feinde vor einem Kampf einschüchtern. Bestes Beispiel dafür ist der maorische Kriegstanz, der früher vor einer Schlacht von den neuseeländischen Eingeborenen mit wilder Bemalung zur Schau gestellt wurde. Heute benutzt das neuseeländische Rugby-Team den Trick, um ihre Gegner vor einem Match damit einzuschüchtern. Mit Erfolg- das Team wurde 2015 Weltmeister.

Im alten Ägypten gab es einst sogar einen eigenen Tanzgott, im Hinduismus in Indien gilt Gott Shiwa als tanzende Göttlichkeit, der zu Ehren getanzt wurde. Die Tempeltänzerinnen haben bis heute in Asien einen hohen Kulturstatus.
Religiöse Stätten waren damit auch die ersten Orte, an denen Tänze und Choreographien vor Publikum aufgeführt wurden. Sie sollten Spiritualität, Gottesnähe und Botschaften den Pilgern näher bringen.

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Relief einer indischen Tempeltänzerin Quelle: Thomas-Effinger.com

Im Zuge der Christianisierung wird Tanzen als etwas Heidnisches betrachtet und erst lange Zeit von der Kirche als Sünde betrachtet. Doch statt religiöser Tänze entwickelten sich im Mittelalter die gesellschaftlichen Tänzen. Die Menschen liebten es, auf Festen und Feiern miteinander zur Musik zu tanzen. Der Gesellschaftstanz war dabei nicht nur eine reine Vergnügungssache. Besonders im Adel und bei Hofe der Fürsten und Könige galten Tanzveranstaltungen als gute Gelegenheit heiratsfähige Mädchen und Jungen in die Gesellschaft einzuführen. Beliebt waren beim einfachen Volk, wie beim Adel sogenannte Reigentänze.
Es wurde nie zu zweit getanzt, sondern in bestimmten Gruppenformationen eine Art Reihentanz zu festgelegten Schrittabfolgen abgehalten.

Diese Art von Tanz setzte sich bis weit ins 18. Jahrhundert fort und wurde in Menuetten und anderen Gruppentänzen fortgeführt. Auch in verschiedenen Folk-Tänzen überlebte diese Art bis heute. Der amerikanische Line-Dance, der sich aus irischen Tänzen herausentwickelte folgt nach wie vor dem Muster.

Ballett- die hohe Kunst der Spitze

Wer an klassischen Bühnentanz denkt, kommt am Ballett nicht vorbei. Tatsächlich ist diese Tanzgattung auch der Beginn und die tragende Säule des Tanzes auf der Bühne. Ballett- vom französischen Wort baller für tanzen- abstammend hat seine Wurzeln in französischen und italienischen Hoftänzen und Inszenierungen. Tatsächlich gab es, neben den Gesellschaftstänzen erste szenische Darstellung rein auf Choreographien aufgebaut. Diese waren aber meist Teil eines höfischen Theaterstücks oder wurden extra für Festivitäten wie Hochzeiten geschrieben. Aufgrund dieser höfischen Inszenierungen entwickelte sich das Ballett. Das erste Stück, deren Partitur noch vorhanden ist, ist „Ballet comique de la Reine“ (Das komische Ballett der Königin) und wurde 1561 im Louvre uraufgeführt. Es war ein Auftragsstück der französischen Königin Louise de Lorraine- Vaudémont. Das Tanzspektakel dauerte über fünf Stunden und war eine Mischung aus Tanz, Gesang und Musik. Die Geschichte lehnte sich an die Sage um die Zauberin Kirke an, welche die Welt im Chaos versinken lassen wollte. Damit stand das Tanzstück den höfischen Opern in ihrer Thematik um nichts nach.

Übrigens war das Ballett nur Männern vorbehalten. Auch weibliche Rollen wurden von Tänzern übernommen.
Erst 1661 wurde dann vom Sonnenkönig Ludwig XIV in Paris die erste Akademie für Ballett gegründet. Aber erst ab 1681 durften dann auch Frauen öffentlich ihre Ausbildung dort beginnen.

 

 

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Szene aus „Ballet comique de la Reine“ Quelle: Wikipedia

Erst durch diese Akademie wurden die klassischen Elemente des Ballets gefestigt, die bis heute noch nichts an Gültigkeit verloren haben. Besonders der Tänzer, Choreograph und spätere Tanzleherer Raoul-Auger Feuillet setzte alles daran, das wertvolles Wissen rund um den Tanz für die Nachwelt festgealten werden konnte. So entwickelte er unter anderem die fünf Fußpositionen, welche die Kinder und Anfänger schon in den ersten Tanzstunden beigebracht bekommen. Hier ein Link zu den unterschiedlichen Fußstellungen, welche dann die Grundlage für die weitere Ausbildung geben.

Feuillet begann auch damit, spätere Choreographien für die Tanzszenerien aufzuschreiben und dokumentieren. Im Bild ist zum Beispiel eine Aufzeichnung von 1700 wo die verschiedenen Tanzpositionen einer weiblichen Tänzerin für eine Oper aufgezeichnet wurden. Nach diesen Partituren und Aufzeichnungen wird teilweise bis heute die Aufführung inszeniert:

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Quelle: American Memory

Sterbende Schwäne und sprachlose Liebesgeschichten

Die „klassische“ Zeit des Balletts ist das 19. Jahrhundert. Mit Ende des 18. Jahrhunderts erfreute sich das Ballett besonders beim reichen Publikum immer größerer Beliebtheit. Noch ist das Barock im Vordergrund, höfische Stoffe und Heldenepen werden tänzerisch und gekünstelt performt. Mit dem 19. Jahrhundert sinkt langsam das Interesse an solchen Stoffen. Das Ballett, welches bisher auch eher als Zusatz zu Musikstücken oder Theaterstücken gesehen wurde, entwickelt sich langsam zu einer eigenen Bühnengattung, die eigene Geschichten erzählen kann.
Die Pariser Oper wird eine wichtige Institution in der Ausbildung neuer Tänzerinnen und Tänzer. Aber auch andere Länder machen sich langsam einen Namen in der Tanzszene. Es gibt italienische, englische, wie französische Lehrmethoden. Doch besonders in Russland erfreut sich das Ballett immer größerer Beliebtheit, was besonders auf den Einfluss des französischen Hofzerimoniell auf den Zarenhof zu verdanken ist. Später werden viele russische Tänzerinnen international auf Bühnen stehen. Auch die Musik beginnt ich, auf das Tanzen einzustellen. Es werden eigene Stücke extra fürs Ballett geschrieben.
Pjotr Ilitsch Tschaikowskis „Schwanensee“ etwa ist eines der berühmtesten Stücke. Die Musik ist auch außerhalb des Theaters bekannt. Auch der Nussknacker oder Dornröschen entstammen seiner Feder und sind für Ballettänzerinnen und Tänzer geschrieben worden.

Der Anspruch des Publikums hat sich ebenso gewandelt. Statt Legenden und Hofdramen wollen sie eben nun in Märchenwelten entführt werden. Die grazilen Bewegungen der Darsteller, die scheinbar federeleicht über die Bühne schweben sind auch optimal dafür. Doch auch Liebesstoffe sollen neu erzählt werden. Was früher mit Dialogen, Monologen oder Gesang erklärt werden konnte muss nun durch Bewegung und mimischen Ausdruck rüber gebracht werden.

Durch die hohe künstlerische Leistung und dem neu aufkommenden Medium Film avancieren die Tänzer Ende des 19. Jahrhunderts langsam zu Stars, die weltberühmt werden. Anna Pawlowna gilt als eine  der berühmtesten Tänzerinnen des 20. Jahrhunderts und wird bis heute als Ikone des Balletts angesehen.

Experiment Bewegung

So wie das Ballett den Weg bereitet hat, um auf der Bühne nur mit dem Körper eine Geschichte zu erzählen, so wurde auch Platz geschaffen, für neue tänzerische Einflüsse. Der Ausdruckstanz bewegte sich in eine neue Richtung. Während das klassische Ballett oberflächlich die Geschichten erzählt und nur die Handlung des Charakters widerspiegelt, soll der Ausdruckstanz das ganze Innenleben des Tänzers auf der Bühne zur Geltung bringen. Die Darsteller sollten sich aus den festgelegten Figuren und Formen lösen. Der Körper sollte sich frei bewegen und das zentrale Medium werden, ohne auf Konventionen beschränkt zu werden.
Vertreter wie Mary Wigman oder Isodora Duncan sagten dem Ballett geradezu den Kampf an und forderten eine neue Rolle und Darstellung auf der Bühne. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde deswegen experimentiert, wie mit diesem neuen Gefühl der Freiheit umgegangen werden kann. Auch die Frauenbewegung und Rechte auf mehr Freiheit waren wohl ausschlaggebend, dass sich der Ausdruckstanz neuer Beliebtheit erfreute.
In den 20er Jahren wurde Weimar eine wichtige Stadt. Hier trafen sich Künstler und Tänzer und es wurden nach den Wirren des ersten Weltkrieges neue Formen und Wege gesucht.
Der Nationalsozialimus setzte diesem Trend allerdings bald ein rasches und böses Ende. Er verbot diese Art des Tanzes und viele der Tänzer gaben ihre Leidenschaft auf, brachten sich um oder verließen Deutschland, um in Amerika oder anderswo ihre Karriere fortzusetzen.

Pina – Tanz deinen Traum

Im Zuge der 68er- Bewegung und dem Ausbrechen starrer Konventionen versuchte auch der darstellende Tanz sich neu zu definieren. Die deutsche Choreographin und Solistin Pina Bausch war maßgeblich an der Entwicklung beteiligt. Sie brachte das Genre Tanztheater zu internationalem Standard und setzte neue Maßstäbe.
Moderne Musik wurde in die Choreographien eingeflochten. Gesellschaftskritische und alltägliche Situationen wurden auf der Bühne dem Publikum nahegebracht. Es musste nicht eine wirkliche Geschichte sein, welches sich da eröffnete. Vielmehr entstand ein bewegtes Bild in deren Situation die Tänzer zwar durchaus einen Handlungsrahmen erhielten. Aber es ging nicht mehr darum, dem Publikum exakt zu vermitteln, was nun das eigentliche Motiv und Geschehen ist. Nur durch Mimik, kleine Dialoge und einem expressiven Tanzstil sollte viel Platz für freie Empfindungen und Nachdenklichkeit geschaffen werden.
Modern Dance und andere Einflüsse neu entwickelter Stile wurden immer wieder neu auf die Bühne adaptiert. Das so entstandene Tanztheater avancierte somit in den 80er Jahren zum eigenen Genre.

Und heute? Die Bühne ist nur ein kleiner Ort zum Tanzen

Tanzen ist so alt wie Menschheit selbst und die Bühne ist mittlerweile der etablierteste Ort geworden, um neue Choreographien und Stücke wiederzugeben. Wirkliche Einschränkungen gibt es nicht mehr. Es wird experimentiert und ausprobiert. Musik ist dabei zwar ein hilfreiches Element, aber längst nicht mehr der zentrale Punkt, auf den Szenerien entstehen. Aber auch klassische Tanzformen wie das Ballett haben sich nach dem zweiten Weltkrieg neu erfunden. Besonders in Russland und Frankreich erfreuen sich ganz traditionelle Stücke nach wie vor großer Beliebtheit. Das Marinskij-Theater in St. Petersburg etwa, ist nahezu immer ausverkauft und auch alte Werke wie Nussknacker oder Schwanensee sind immer noch bestens besucht. Wahrscheinlich ist auch das Fernsehen mit daran schuld. Mit Aufkommen der Fernsehgeräte gab es einige Filmproduktionen rund ums Ballett. Auch im sowjetischen Russland konnte so zu Hause im Wohnzimmer das tanzende Kulturgut bewundert werden.

Mein persönlicher Favorit im Ballett ist übrigens die amerikanische Truppe „Les Ballets de Trocadero“ oder kurz „The Trocks“ genannt. Diese Truppe besteht ausschließlich aus männlichen Tänzern, die klassische Ballettstücke tanzen. Auch die weiblichen Rollen werden von Männern übernommen. Es ist beeindruckend, wenn die teils sehr muskolösen Darsteller graziös in Spitze tanzen. Doch auch der humoristische Faktor kommt nicht zu kurz. Denn die Tänzerinnen werden übertrieben überzeichnet dargestellt, manchmal passieren kleine absichtliche Malheure auf der Bühne. Und wenn ein Mann mit Brusthaaren und Perücke auf dem Kopf tanzt ist das schon einen Lacher wert.